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Alles außergewöhnlich – und außergewöhnlich berührend und witzig – Medientipp (bis zum 28.07. 26 in der arte-Mediathek)

Bruno jagt durch die Straßen, er lässt nicht locker – schließlich hat er einen seiner Schutzbefohlenen wieder eingefangen: einen Autisten. Das war eine Eingangsszene des französischen Spielfilms ALLES AUßERGEWÖHNLICH, der 2019 in Cannes als Abschlussfilm lief und bejubelt aufgenommen wurde. Das galt einem Film, der eine vollkommen unorthodoxe Einrichtung im heutigen Frankreich beschreibt. Gemeint sind...

runo jagt durch die Straßen, er lässt nicht locker – schließlich hat er einen seiner Schutzbefohlenen wieder eingefangen: einen Autisten. Das war eine Eingangsszene des französischen Spielfilms ALLES AUßERGEWÖHNLICH, der 2019 in Cannes als Abschlussfilm lief und bejubelt aufgenommen wurde.

Das galt einem Film, der eine vollkommen unorthodoxe Einrichtung im heutigen Frankreich beschreibt. Gemeint sind Organisationen, die autistische Menschen aufnehmen, welche in den offiziellen Einrichtungen keinen Platz mehr finden.

Bild: Alles außergewöhnlich, Filmbild, © Gaumont

Diese Menschen werden dann dort meist von jungen Menschen betreut, die eher in der Vergangenheit gewaltbereit waren und Gewalt ausgeübt haben – aber gerade daher mit den Gewaltausbrüchen und Fluchtversuchen der Autisten gut umgehen können.

So eine Betreuung ist ungewöhnlich, für die Behörden in Frankreich ein großes Problem.
Die Regisseure Oliver Nakache und Eric Toledano haben sich dieser Realität in ihrem Land angenommen, weltweit bekannt durch „Ziemlich beste Freunde“ und „Heute bin ich Samba“.

Ins Team der Schauspieler holten sich die beiden Regisseure dann Vincent Cassel und Reda Kateb, die europaweit schon als Stars gefeiert werden..

Entstanden ist dann mit ALLES AUßERGEWÖHNLICH ein ambitionierter und authentischer Film zu einer aktuellen Problemlage in Frankreich.

Da wird auch nichts einseitig gezeigt: die Probleme mit so einer „außergewöhnlichen“ Betreuung, auch die Probleme der Behörden, die so was genehmigen sollen.

Das Tolle ist weiter an diesem Film, er ist oft witzig, augenzwinkernd und verlässt trotzdem nicht seine Ernsthaftigkeit. Diese Balance gelingt dem Film.

Die Mitwirkenden und die Protagonisten spielen authentisch, darunter viele Laienschauspieler – das macht den Film letztlich glaubwürdig.

Langeweile kommt während der knappen 2 Stunden überhaupt nicht auf, auch wenn der Film eher dokumentarisch wirkt und traditionelle Handlungsmuster vermissen lässt.

ALLES AUßERGEWÖHNLICH macht nachdenklich. Etwa zu der frage: Haben unsere europäischen, demokratischen Gesellschaften überhaupt Platz für außergewöhnliche Menschen? Schon deshalb sollte man sich diesen französischen Spielfilm anschauen.

 

Thomas Bohne

 

ALLES AUßERGEWÖHNLICH
PRODUKTION: Frankreich 2019
REGIE: Eric Toledano · Olivier Nakache
MIT: Vincent Cassel (Bruno) · Reda Kateb (Malik) · Hélène Vincent (Hélène) · Bryan Mialoundama (Dylan) · Alban Ivanov (Menahem)
LÄNGE: 115 Minuten
BIS: 28.07. in der arte-Mediathek

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