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Populismus kann teuer werden

Stellen Sie sich eine Familie vor. Ein neuer Haushaltsvorstand übernimmt und sagt: „Ab heute wird alles besser. Ich weiß, wie es geht.“ Zuerst gibt es Steuersenkungen, Zuschüsse und große Versprechen. Gleichzeitig werden Schuldige benannt: das Ausland, die Vorgänger oder „die Eliten“. Die Stimmung steigt. Doch ein kluger Mensch schaut nicht nur darauf, wie es der...

Stellen Sie sich eine Familie vor. Ein neuer Haushaltsvorstand übernimmt und sagt: „Ab heute wird alles besser. Ich weiß, wie es geht.“ Zuerst gibt es Steuersenkungen, Zuschüsse und große Versprechen. Gleichzeitig werden Schuldige benannt: das Ausland, die Vorgänger oder „die Eliten“. Die Stimmung steigt. Doch ein kluger Mensch schaut nicht nur darauf, wie es der Familie nach drei Monaten geht. Er schaut zehn oder fünfzehn Jahre später in den Kühlschrank, auf das Sparkonto und auf den Zustand des Hauses.
Genau das haben Wirtschaftswissenschaftler getan. Sie untersuchten die langfristige Entwicklung populistisch regierter Länder. Das Ergebnis: Nach 15 Jahren lag die Wirtschaftsleistung je Einwohner im Durchschnitt deutlich unter dem Verlauf, der ohne eine solche Politik zu erwarten gewesen wäre.
Warum? Weil populistische Wirtschaftspolitik oft einfache Antworten auf schwierige Fragen gibt.
Donald Trump versprach sinngemäß: „Wir erheben Zölle. Dann zahlt das Ausland.“ Das klingt gut. Aber stellen Sie sich einen Bäcker vor, der Mehl aus dem Ausland kauft. Wird das Mehl durch Zölle teurer, werden auch die Brötchen teurer. Am Ende zahlt nicht nur das Ausland. Am Ende zahlen auch die eigenen Unternehmen und Kunden.
Oder nehmen wir Großbritannien. Der Brexit wurde verkauft wie der Auszug aus einem Haus mit einem lästigen Vermieter: „Dann können wir endlich allein entscheiden.“ Das stimmt. Doch danach kamen neue Formulare, Kontrollen und Handelshemmnisse. Das unabhängige britische Haushaltsamt geht davon aus, dass die britische Wirtschaft langfristig kleiner sein wird, als sie es ohne den Brexit gewesen wäre.
Oder schauen wir nach Ungarn. Dort wurden zeitweise Preise gedeckelt. Das klingt zunächst gut. Aber ein Schild mit der Aufschrift „Benzin ist billig“ macht Benzin nicht billiger. Irgendjemand bezahlt trotzdem: der Händler, der Staat oder später der Verbraucher. Die Rechnung verschwindet nicht. Sie wird nur verschoben.
Diese Beispiele haben eines gemeinsam: Populistische Wirtschaftspolitik wirkt oft wie ein Kredit. Heute gibt es Geschenke. Morgen kommt die Rechnung. Heute heißt es: „Wir schützen euch.“ Später steigen die Preise. Heute heißt es: „Wir holen uns unser Land zurück.“ Später wird der Handel schwieriger. Heute heißt es: „Wir räumen auf.“ Später verlieren Unternehmen das Vertrauen in verlässliche Regeln.
Eine Volkswirtschaft funktioniert nicht wie eine Fußballmannschaft, die nur einen lauteren Trainer braucht. Sie funktioniert eher wie ein Obstgarten. Wer heute einen Baum fällt, weil er schnell Brennholz braucht, freut sich über den warmen Ofen. In einigen Jahren gibt es aber keine Äpfel mehr. Gute Wirtschaftspolitik pflanzt Bäume. Sie investiert in Bildung, Forschung, Infrastruktur und verlässliche Regeln. Das dauert länger. Aber genau daraus entsteht Wohlstand.
Was könnte das für Deutschland bedeuten?
Deutschland lebt wie kaum ein anderes großes Industrieland vom Export. Rund 40 Prozent unserer Wirtschaftsleistung hängen direkt oder indirekt vom Verkauf unserer Waren und Dienstleistungen ins Ausland ab. Unser wichtigster Markt ist die Europäische Union. Mehr als jeder zweite deutsche Export-Euro wird innerhalb der EU verdient.
Der europäische Binnenmarkt ist wie ein großes Kaufhaus mit 27 Abteilungen. Deutsche Unternehmen können ihre Waren heute fast ohne Zölle, Grenzkontrollen und unterschiedliche Vorschriften in alle anderen EU-Staaten verkaufen.
Eine populistische Regierung könnte sagen: „Wir holen uns die volle Kontrolle zurück. Wir lassen uns von Brüssel nichts mehr vorschreiben.“ Das klingt nach Freiheit. Wirtschaftlich könnte es aber bedeuten, dass in diesem Kaufhaus plötzlich Schranken aufgebaut werden.Mehr Formulare. Mehr Kontrollen. Mehr Bürokratie. Höhere Kosten.
Die Ware würde dadurch nicht besser.
Sie würde nur teurer.
Besonders kleine und mittlere Unternehmen wären betroffen. Viele deutsche Produkte bestehen heute aus Bauteilen aus mehreren europäischen Ländern. Wird diese Lieferkette gestört, trifft Deutschland nicht nur seine Nachbarn. Es trifft sich selbst.Das wäre, als würde ein Bäcker gleichzeitig sein Mehl verteuern und die Straße zu seinen Kunden sperren.
Noch gefährlicher ist die Unsicherheit. Unternehmen bauen Fabriken für Jahrzehnte. Wenn sie nicht mehr sicher sind, ob Deutschland künftig problemlos den europäischen Markt beliefern kann, investieren sie vielleicht lieber in Frankreich, Polen oder den Niederlanden.
Eine Fabrik, die nie gebaut wird, sieht niemand.
Es gibt keine Schlagzeile. Aber einige Jahre später fehlen Arbeitsplätze, Ausbildungsplätze, Löhne und Steuereinnahmen.
Natürlich muss Deutschland in der Europäischen Union hart über Bürokratie und schlechte Regeln verhandeln. Aber es ist ein Unterschied, ob man ein Haus renoviert oder es aus Wut verlässt.
Deutschland ist wirtschaftlich kein Schloss, das durch höhere Mauern reicher wird. Deutschland ist ein großer Bahnhof. Jeden Tag kommen Waren, Bauteile, Ideen und Fachkräfte an. Jeden Tag fahren deutsche Produkte in alle Richtungen hinaus. Unser Wohlstand entsteht nicht dadurch, dass wir die Gleise herausreißen und die Tore schließen. Er entsteht dadurch, dass die Verbindungen funktionieren.
An dieser Stelle ist mir ein Hinweis wichtig:
Ich weiß natürlich nicht, welche Politik eine künftige populistische Bundesregierung tatsächlich verfolgen würde. Die folgenden Überlegungen beruhen deshalb nicht auf der Vorhersage eines konkreten Parteiprogramms. Sie stützen sich auf internationale wirtschaftswissenschaftliche Studien über die langfristigen Folgen populistischer Regierungsführung sowie auf Erfahrungen aus Ländern, in denen populistische Regierungen bereits Verantwortung übernommen haben. Sie beschreiben keine Gewissheit, sondern ein wissenschaftlich begründbares mögliches Szenario. Was könnte dieses Szenario Deutschland kosten?
Das kann heute niemand seriös genau beziffern. Die Erfahrungen aus anderen Ländern und internationale Studien zeigen jedoch ein klares Muster: Abschottung, Handelskonflikte, unsichere Regeln und geschwächte Institutionen können den Wohlstand eines Landes langfristig deutlich verringern.
Überträgt man diese Erkenntnisse vorsichtig auf Deutschland, könnte der wirtschaftliche Schaden langfristig durchaus in einer Größenordnung von etwa fünf bis zehn Prozent unserer jährlichen Wirtschaftsleistung liegen. Nach heutigem Stand entspräche das ungefähr 200 bis 400 Milliarden Euro pro Jahr.

Das wäre kein Geld, das plötzlich verschwindet. Es würde sich in vielen kleinen Verlusten zeigen: weniger Investitionen, weniger Exporte, weniger neue Arbeitsplätze, geringere Lohnsteigerungen, niedrigere Steuereinnahmen und damit weniger Geld für Schulen, Krankenhäuser, Pflege, Straßen, Bahn und Renten.
Ob es tatsächlich so käme, kann niemand vorhersagen. Aber genau deshalb lohnt es sich, aus den Erfahrungen anderer Länder zu lernen, bevor wir denselben Weg einschlagen. Der Beitrag richtet sich nicht gegen eine bestimmte Partei. Er beschreibt anhand internationaler wissenschaftlicher Erkenntnisse die möglichen wirtschaftlichen Folgen populistischer Regierungsführung. Jeder Leser kann selbst prüfen, welche Parteien und politischen Forderungen er darunter einordnet.

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