Tag 1: Hamburg – Itzehoe
Wir waren geistig darauf vorbereitet erst gegen 10 Uhr oder 10 Uhr 30 in Hamburg aus dem Zug zu steigen, doch der Zug war auf die Minute pünktlich in Hamburg, wenn auch am Bahnhof Hamburg Harburg, also am falschen Ende der Stadt. Damit aber ist unser Kontingent an Wundern für den heutigen Tag erschöpft. Na...
ir waren geistig darauf vorbereitet erst gegen 10 Uhr oder 10 Uhr 30 in Hamburg aus dem Zug zu steigen, doch der Zug war auf die Minute pünktlich in Hamburg, wenn auch am Bahnhof Hamburg Harburg, also am falschen Ende der Stadt. Damit aber ist unser Kontingent an Wundern für den heutigen Tag erschöpft. Na gut, der Kaffee irgendwo bei den Fischhallen war eigentlich auch ziemlich wunderbar, vor allem im vergleich zum Blümchenkaffee im Nachtzug. Gegen den bin ich aber dieses Jahr gewappnet, ich habe mir ein Beispiel an meinem Cousin genommen und fette jetzt gnadenlos jeden Blümchenkaffee mit Nescafé auf bis der Löffel drin stecken bleibt.
Noch vor dem guten Kaffee haben wir schon das andere Highlight des heutigen Tages passiert: der alte Elbtunnel aus dem Jahr 1911 erspart und einen Umweg und eine nur stündlich verkehrende Fähre. Wir fahren wie die Arbeiter aus Metropolis mit dem Lift in die Tiefe, dann durch die Tunnelröhre mit ihren Tier-Reliefs (hauptsächlich Meeresgetier, aber irgendwo gibt es angeblich auch ein Ratten-Relief, das wir verpasst haben) und auf der anderen Seite wieder ans Tageslicht. Sehr interessantes Gebäude, auch die technische Leistung dahinter ist beachtlich, und wir waren verwundert, dass es erst seit gut 20 Jahren unter Denkmalschutz steht.
Wenige hundert Meter nach dem guten Kaffee beginnt der weniger schöne Teil der heutigen Tour: Auf einmal wird der Himmel anthrazitgrau und wir können uns gerade noch ein einen Hauseingang retten, in dem wir dann die nächsten 20 Minuten verbringen bis der Regen fast so plötzlich endet wie er begonnen hat. Insgesamt spielen wir dieses Spiel heute 5 Mal, dazwischen kommt sogar die Sonne heraus, der Himmel leuchtet blau und wirkt als könnte er kein Wässerchen trüben, geschweige denn auf uns herabschütten. Auf diese Art brauchen wir für 78 Kilometer brutto 7.5 Stunden, danke, ich kann mir den Schnitt selber ausrechnen. Beim letzten Guss, den wir unter dem Vordach einer Tankstelle überdauern, reicht es uns dann. Auf diese Art kommen wir nicht weiter, wir steigen als es weniger wird aufs Rad. Und werden nass. Nass bedeutet hier bei 14 Grad eiskalte Finger und Zehen, denn wir sind in diesem Sommer andere Temperaturen gewöhnt. Hoffen wir mal, dass die Sachen bis morgen in der Früh halbwegs trocken sind.
Jetzt Itzehoe, kleine Stadt mit rund 30.000 Einwohner*innen im Hamburger Speckgürtel. Von den Häusern in der Altstadt über die Einfamilienhäuser am Stadtrand bis zum Bahnhof und Kirche ist hier alles aus rotem Klinker, teilweise sogar die Gehsteige. Die Radwege sind dafür dann schwarz gepflastert, sonst würde man sie ja nicht sehen. Mit dem Rad gefahren wird hier nicht wenig, dafür aber viel mit dem E‑Bike (wer sich die Windkarte ansieht, weiss warum). Radweg-Infrastruktur ist grossteils vorhanden, auch auf Überlandstrecken, teilweise aber in mässiger Qualität. Wir sind dazu übergegangen die Benutzungspflicht einfach zu ignorieren und dort zu fahren, wo man kann, nicht dort, wo vor 30 Jahren eine Behörde gemeint hat, dass man muss. Bis jetzt haben die Autofahrenden das akzeptiert (fahren viele wohl selber und kennen die gepflasterten Rumpelpisten aus eigener Erfahrung). Wo war ich? Ach ja, Itzehoe. Wir haben den halben Nachmittag im Hotel verpennt und dann ist natürlich alles schon geschlossen, aber ein Spaziergang durch die Stadt geht sich aus. Sehr hübsch, so ein rotes Städtchen, und zugleich sehr grün. Das ist nämlich ein grosses Plus an der Lage hier im Norden: es gibt hier Vorgärten, Parks und Felder, die nicht aussehen wie die Trockenblumengestecke.
Die Fotos
Die Strecke
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