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Tag 2: Itze­hoe – Schleswig

Rosen stehen jeder Innenstadt gut. Ich glaube sogar die FuZo von Bremerhaven würde davon profitieren, wenn an den Betonfassaden rote, rosa, gelbe und orange Rosenbüsche wüchsen. Wenn die Innenstadt aber auch noch ein pittoreskes Ensemble von Klinker- und Fachwerkhäusern ist, dann kann ich nicht anders als jedes der Häuser (und besonders die davor stehende Rose)...

Le Chat à Vélo
Aug 23, 20264 min read

osen ste­hen jeder Innen­stadt gut. Ich glau­be sogar die FuZo von Bre­mer­ha­ven wür­de davon pro­fi­tie­ren, wenn an den Beton­fas­sa­den rote, rosa, gel­be und oran­ge Rosen­bü­sche wüch­sen. Wenn die Innen­stadt aber auch noch ein pit­to­res­kes Ensem­ble von Klin­ker- und Fach­werk­häu­sern ist, dann kann ich nicht anders als jedes der Häu­ser (und beson­ders die davor ste­hen­de Rose) ganz genau zu beschnup­pern. Die alte Stadt Schles­wig hat sol­che ein Alt­stadt-Rosen-Ensem­ble, der Orts­teil Holm ein zwei­tes. Holm, das ist ein aus­ge­spro­chen insta­gramma­bles altes Fischer­dorf, frü­her eine Insel in der Schlei, mit stim­mungs­vol­lem Fried­hof in der Orts­mit­te, nied­ri­gen Häu­sern in Klin­ker und Fach­werk und fast frei von Auto­ver­kehr. Ein wenig wie ein Frei­licht­mu­se­um wirkt es aber schon, vor allem, weil hier am Sonn­tag am spä­ten Nach­mit­tag und am Abend ein­fach nichts mehr offen hat. Das macht aber nichts, denn es hat Rosen!

Schles­wig liegt am Ende der Schlei. Was die ist, da ist man sich nicht so einig: es ist kein Fluss, denn das wür­de vor­aus­set­zen, dass er irgend­wo ent­springt, und das tut die Schlei nicht, sie hat kei­ne Quel­le. Es ist auch kein Fjord, das näm­lich setzt defi­ni­ti­ons­ge­mäss vor­aus, dass der Fjord eis­zeit­lich in einem Gebir­ge ent­stan­den ist. Gebir­ge ist hier aber nicht, wir sind in Nord­deutsch­land. Also eine För­de oder doch ein „Bod­den­ge­wäs­ser“? Sie ist jeden­falls kein Süss­was­ser, aber auch nicht so sal­zig wie ein Mee­res­arm, es riecht hier noch nicht ein­mal nach Meer und auch die übli­chen Möwen, die ich mit dem Meer im Nor­den ver­bin­de (die, die immer so laut her­um­krei­schen), scheint es hier nicht zu geben. Für Men­schen aber ist der Ort schon lan­ge ein attrak­ti­ver Lebens­ort, gleich hier um die Ecke war die berühm­te Wikin­ger­stadt Hait­ha­bu, und auch Schles­wig war schon im Hoch­mit­tel­al­ter ein wich­ti­ger Ort hier im Nor­den und ist seit über 1000 Jah­ren Bischofs­sitz, das Bis­tum gegrün­det vom sel­ben Otto, dem auch Mag­de­burg sei­nen Dom ver­dankt. Den hie­si­gen hät­ten wir uns ganz gern ange­se­hen, doch die Amts­stun­den waren mit unse­rer Ankunfts­zeit nicht ver­ein­bar. So wer­fen wir nur von aus­sen ein paar Bli­cke dar­auf. Ist schon eine gan­ze Men­ge Ziegel!

Schuld an der spä­ten Ankunft war dies­mal nicht das Wet­ter. Ok, das auch ein wenig, dau­ernd Ärmel aus, Ärmel an, Regen­ja­cke über­zie­hen, wie­der aus, das kos­tet auch Zeit, wenn auch nicht so viel wie ges­tern. Ich muss ein­fach akzep­tie­ren, dass hier das Wet­ter eines ost­ös­ter­rei­chi­schen Okto­ber herrscht, also gibts ab jetzt Arm­lin­ge und Wind­ja­cke, hilft ja nichts.

Was uns tat­säch­lich Zeit gekos­tet hat, war aber etwas ande­res. Etwas, von des­sen Exis­tenz wir ges­tern erst erfah­ren haben. Hier bei Schles­wig haben die Dänen im 8. Jahr­hun­dert begon­nen einen Wall zu errich­ten, der die natür­li­che Gren­ze der sump­fi­gen Eider im Wes­ten und der Schlei im Osten ergänzt hat. Das mit dem befes­ti­gen Wall gegen Fein­de kommt auch immer wie­der in Mode, vom römi­schen Limes über die Kuruz­z­enschan­zen, die Wäl­le bzw. Ideen dazu im Zwei­ten Welt­krieg bis zum „anti­fa­schis­ti­schen Schutz­wall“ quer durch Ber­lin. Ein Erfolgs­mo­dell ist die Idee aber nicht unbe­dingt. Der hie­si­ge Wall wur­de in dem 12. Jahr­hun­dert unter dem König Wal­de­mar um eine meh­re­re Kilo­me­ter lan­ge Zie­gel­mau­er erwei­tert. Mil­lio­nen von Zie­geln im 12. Jahr­hun­dert zu erzeu­gen und an den Ort der Mau­er zu brin­gen, das ist schon eine logis­ti­sche Leis­tung! Mili­tä­ri­sche Bedeu­tung hat­te das „Dane­werk“ im Mit­tel­al­ter kaum, die Gren­ze lag zeit­wei­se deut­lich süd­lich davon. Erst im Krieg gegen Preus­sen und Öster­reich im Jahr 1864 wur­den der alte Wall teil­wei­se zur Ver­tei­di­gungs­an­la­ge aus­ge­baut. Gebracht hat das wenig, denn Däne­mark hat den Krieg und Schles­wig-Hol­stein ver­lo­ren. An dem klei­nen Stück Wall, das wir heu­te gese­hen haben, beein­dru­cken uns die­se Schan­zen aus dem 19. Jahr­hun­dert aber am meis­ten, zumin­dest solan­ge bis wir wis­sen, dass sie sich nicht über 800 Jah­re so gut gehal­ten haben son­dern nur gut 150. Übri­gens war auch Hait­ha­bu durch einen Wall geschützt, aber wie die­se Geschich­te aus­ge­gan­gen ist, wer­den wir uns mor­gen näher ansehen.

Die Fotos

Die Stre­cke

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