Skip to content

Tag 3: Schles­wig – Hait­ha­bu – Flensburg

Vor einer halben Ewigkeit, während meines Studium, fiel einmal der Name Heithabu. Es muss in einer Vorlesung zur Wirtschaftsgeschichte gewesen sein und die neuesten Entdeckungen und Ausgrabungen waren damals noch verhältnismässig rezent, dementsprechend begeistert war der Vortragende - zu Recht, denn heute ist Haithabu gemeinsam mit dem Danewerk UNESCO Weltkulturerbe. Die Funde der letzten gut...

Le Chat à Vélo
Aug 24, 20264 min read

or einer hal­ben Ewig­keit, wäh­rend mei­nes Stu­di­um, fiel ein­mal der Name Heit­ha­bu. Es muss in einer Vor­le­sung zur Wirt­schafts­ge­schich­te gewe­sen sein und die neu­es­ten Ent­de­ckun­gen und Aus­gra­bun­gen waren damals noch ver­hält­nis­mäs­sig rezent, dem­entspre­chend begeis­tert war der Vor­tra­gen­de – zu Recht, denn heu­te ist Hait­ha­bu gemein­sam mit dem Dane­werk UNESCO Welt­kul­tur­er­be. Die Fun­de der letz­ten gut 100 Jah­re Archäo­lo­gie wer­den stan­des­ge­mäss in einem Muse­um aus­ge­stellt, das unse­re heu­ti­ge Vor­mit­tags­be­schäf­ti­gung ist.

Viel­leicht soll­te ich erst ein­mal erklä­ren, was Hait­ha­bu eigent­lich ist? Es han­delt sich dabei um eine von Wikin­gern errich­tet Han­dels- und Gewer­be­nie­der­las­sung, deren Exis­tenz vom Ende des 8. Jahr­hun­derts bis zum Jahr 1066 reicht und somit ziem­lich genau die Peri­ode der Wikin­ger umfasst. Zu ihrer Hoch­zeit hat­te die Stadt rund 1500 Bewohner*innen und war das wirt­schaft­li­che Zen­trum, nicht nur der Halb­in­sel, son­dern inten­siv in den weit ver­zweig­ten Han­del der Epo­che ein­ge­bun­den. Man hat alle mög­li­chen Hand­wer­ke betrie­ben und zeit­wei­lig sogar ver­sucht ein eige­nes Münz­sys­tem zu eta­blie­ren. An letz­te­rem ist man geschei­tert, damals wur­den Mün­zen nicht nach dem auf­ge­präg­ten Wert gehan­delt son­dern ein­fach nach Gewicht und gege­be­nen­falls hat man ein­fach ein Stück­chen Wech­sel­geld abge­schnit­ten. Auf ande­ren Gebie­ten aber hat man es zur Meis­ter­schaft gebracht: es wur­den Glas­per­len erzeugt (wich­tig für den Schmuck der Frau­en der Epo­che), es wur­de Holz, Bein und Geweih geschnitzt, Metall bear­bei­tet, Gold- und Sil­ber­schmie­de gab es auch und sogar Musik­in­stru­men­ten­bau­er, und natür­lich wur­den Tex­ti­li­en erzeugt. Ob man in der Stadt auch Schif­fe gebaut hat, weiss ich nicht, aber man hat zumin­dest ver­se­hent­lich wel­che ver­senkt, die man im 20. Jahr­hun­dert dann vor­sich­tig wie­der heben und im Muse­um aus­stel­len konn­te. Von den Fun­den der Stadt konn­ten gan­ze Gene­ra­tio­nen von Archäolog*innen pro­mo­vie­ren, es ist näm­lich wirk­lich viel erhal­ten und der Gross­teil ist noch nicht ein­mal aus­ge­gra­ben (und wird es viel­leicht nie sein). Das liegt dar­an, wie Hait­ha­bu sein Ende gefun­den hat: es wur­de zuerst im Jahr 1050 erobert und dann im Jahr 1066 noch ein zwei­tes Mal. Wäh­rend es beim ers­ten Mal wie­der auf­ge­baut wur­de, hat die Bevöl­ke­rung 1066 das Hand­tuch gewor­fen und beschlos­sen, das was noch übrig war lie­gen und ste­hen zu las­sen und lie­ber gleich ins nahe­ge­le­ge­ne Schles­wig zu übersiedeln.

1070 Meter ent­fernt vom Muse­um (hier hat bei der Beschil­de­rung wohl die sprich­wört­li­che deut­sche Gründ­lich­keit zuge­schla­gen) befin­det sich ein Ensem­ble von Repli­ken von Wikin­ger­häu­sern, reet­ge­deck­te Holz­kon­struk­tio­nen mit lehm­ver­stri­che­nen, unver­putz­ten Wän­den, Wohn­be­reich und Werk­statt übli­cher­wei­se in einem Haus zusam­men unter­ge­bracht. Heu­te woh­nen in die­sen Häu­sern etli­che Schwal­ben­fa­mi­li­en, die ihre Nes­ter an den rau­hen Ober­flä­chen beson­ders gut befes­ti­gen kön­nen. Man muss nur auf­pas­sen, dass man nicht genau dar­un­ter zu ste­hen kommt… Vor den Häu­sern zei­gen ein paar Men­schen früh­mit­tel­al­ter­li­ches Hand­werk: Schmuck­her­stel­lung, Schnit­zen und etwas, das aus­sieht wie gehä­kelt, aber doch nicht. Es han­delt sich um die uralte Tech­nik des Nadel­bin­dens, die seit der Stein­zeit bekannt ist und bis in unse­re Zeit u.a. in Skan­di­na­vi­en über­lebt hat. Die ent­ste­hen­den Gewe­be sind sehr robust (kon­struk­ti­ons­be­dingt gibt es kei­ne Lauf­ma­schen), daher wur­den sehr ger­ne Socken und Hand­schu­he nadel­ge­bun­den, erfah­ren wir von der Demons­tra­to­rin der Tech­nik. Und weil sie dann schon mal im Vor­zei­gen war, krie­gen wir auch noch das Käm­men, Has­peln und Spin­nen von Wol­le demons­triert und einen klei­nen Exkurs ins Weben mit einem dama­li­gen Web­stuhl. Nerd­tum aller Arten ist ja immer irgend­wie cool, jetzt wis­sen wir, dass es auch Nerds in Tex­til­ge­schich­te gibt.

Nach Flens­burg geht es erstaun­lich hüge­lig über wei­te­re rund 40 Kilo­me­ter. Rad­we­ge hat man hier neben den stär­ker befah­re­nen Stras­sen, ansons­ten ver­läuft die Stre­cke auf Feld­we­gen, Neben­stras­sen und ein­mal sogar durch den Wald. Nach Flens­burg geht es dann wie­der berg­ab, denn das liegt an einer För­de, einem klei­nen Sei­ten­arm der Ost­see, der als Hafen dient. Wir machen hier ein paar Stun­den ech­ten Urlaub, spa­zie­ren durch die Fuss­gän­ger­zo­ne und am Hafen ent­lang und las­sen die Son­ne in einem hie­si­gen Pils untergehen.

Die Fotos

Die Stre­cke

[ele­va­ti­on gpx=https://le-chat-a-velo.at/wp-content/uploads/2026/08/R202261525.gpx time=summary distancemarkers=true waypoints=true slope=0 ][zoom­ho­me­map ][lay­ers­witch mapids=OpenStreetMap DE,CyclOSM,OpenCycleMap,Mountainbike,OpenTopoMap,OPNVKarte,Esri WorldImagery,Alidade (Smooth),Alidade (Smooth Dark),Basemap AT,Basemap AT (grau),Basemap AT (orthofoto),TopPlus (Grey),TopPlus (Color),Stamen (Toner),Stamen (Terrain),Cycling Paths,Hiking Paths,OpenRailwayMap providers=OpenStreetMap.DE,CyclOSM,Thunderforest.OpenCycleMap,MtbMap,OpenTopoMap,OPNVKarte,Esri.WorldImagery,Stadia.AlidadeSmooth,Stadia.AlidadeSmoothDark,BasemapAT.basemap,BasemapAT.grau,BasemapAT.orthofoto,TopPlusOpen.Grey,TopPlusOpen.Color,Stadia.StamenTonerLite,Stadia.StamenTerrain,WaymarkedTrails.cycling,WaymarkedTrails.hiking,OpenRailwayMap ][full­screen ]

Track Down­loads
    Schles­wig – Flensburg

Did you enjoy this article?

Recommend it — Standard Reader surfaces well-loved writing to more readers across the network.

Across the AtmosphereDiscussions