Tag 4: Flensburg – Haderslev
Die Ostsee muss man hier erstmal finden. Sonst ist das mit einem Meer ja nicht so schwierig, man kann es riechen (Salz, Tang, Jod) und hören (Möwen), doch die Ostsee ist da recht zurückhaltend. Und wenn man sie dann mal erblickt, sieht sie nicht aus wie ein Meer, sondern erinnert mich irgendwie an den Balaton:...
ie Ostsee muss man hier erstmal finden. Sonst ist das mit einem Meer ja nicht so schwierig, man kann es riechen (Salz, Tang, Jod) und hören (Möwen), doch die Ostsee ist da recht zurückhaltend. Und wenn man sie dann mal erblickt, sieht sie nicht aus wie ein Meer, sondern erinnert mich irgendwie an den Balaton: Wasserfläche mit Hügeln im Hintergrund, hin und wieder mal ein Segelschiff. Das balatoneske liegt daran, dass wir uns hier hinter diversen Inseln, Halbinseln und Förden befinden und eigentlich nie den Blick auf das freie Wasser haben. Aber immerhin: Sandstrand hat man hier, aber ohne die klischéemässigen Strandkörbe, die wir mit den nördlichen Meeren verbinden.
Hier, das ist im Süden Dänemarks. Wir haben heute unbemerkt die Grenze überquert, unbemerkt im Sinne von: sie ist uns nicht aufgefallen und wie es sicht gehört gab es weder Kontrollen noch eine Grenzstation. Irgendwann waren einfach die Radroutenschilder blau und die Radwege luxuriös. Beides hat sich seither auch nicht geändert. Wir fahren abwechselnd auf Radwegen, auf Radstreifen oder auf langweiligen Landstrassen durch die hügelige Landschaft. Soweit wir bisher gesehen haben ein ideales Land für einen Radurlaub. Im Gegensatz zu den letzten Tagen sehen wir hier auch deutlich mehr Radreisende mit Gepäck. Auch für eine weitere Bevölkerungsgruppe ist das hier das ideale Urlaubsland: Blasenschwache werden alle paar Kilometer eine saubere und kostenlose öffentliche Toilette finden, sie reihen sich an der Küste wie die Glieder einer Spülkette aneinander.
Jetzt sind wir in Haderslev, einer Stadt von angeblich gut 20.000 Einwohner*innen. Angeblich, denn zu sehen bekommen wir davon niemand. Na gut, unser Vermieter ist natürlich da und lässt die Räder in die Garage zu den Motorrädern. Hin und wieder huscht in der Fussgängerzone jemand scheu um die Ecke und hinter dem Dom wird mit dem Flammenwerfer dem Gras zwischen den Pflastersteinen der Garaus gemacht. Aber sonst: die Geschäfte schliessen zum Grossteil um 17 Uhr, ebenso der Dom, Restaurants oft schon um 21 Uhr, und Cafés sind uns in der Innenstadt auch nicht viele aufgefallen. Wir kommen uns vor wie in einem wirklich hübschen, gut organisierten und tödlich langweiligen Kurort, gehen eine Stunde früher Essen (sehr gut übrigens) und machen dann noch eine Runde um den kleineren See. Für den Rest des Abends haben wir uns im Supermarkt ein paar dänische Craft-Biere der alkoholfreien und leichteren Sorten gekauft. Morgen sind wir dann turbo-erholt.
Die Fotos
Die Strecke
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