Tag 10: Lübeck – Wismar
"Nosferatu" von F. W. Murnau war der erste aus einer langen Reihe historischer Stummfilme, die wir uns in den letzten Jahrzehnten angesehen haben. Wir haben nämlich auch noch andere Hobbies als das Radfahren und dazu gehört Stummfilm mit Live-Musik. In Wien haben wir da auch das grosse Glück, dass es im Konzerthaus einen Zyklus mit...
Nosferatu” von F. W. Murnau war der erste aus einer langen Reihe historischer Stummfilme, die wir uns in den letzten Jahrzehnten angesehen haben. Wir haben nämlich auch noch andere Hobbies als das Radfahren und dazu gehört Stummfilm mit Live-Musik. In Wien haben wir da auch das grosse Glück, dass es im Konzerthaus einen Zyklus mit entsprechenden Aufführungen gibt, doch “unser” erster Nosferatu war eine Aufführung auf dem historischen Retzer Hauptplatz mit Musik des viel zu früh verstorbenen Aljoscha Zimmermann. Die hat “klick” gemacht und seither haben wir ein Abo im Konzerthaus. Der Vampirfilm Nosferatu wurde zum Teil in Lübeck gedreht (die Speicherhäuser), zum Teil in Wismar, und so macht es uns heute besonderen Spass die Drehorte aufzusuchen und sich die Szenen noch einmal vorzustellen.
Das Zentrum von Wismar gehört gemeinsam mit Stralsund zum UNESCO Welterbe und wie es sich für einen solchen Ort gehört, ist es aufwändig restauriert. Dazu gehören auch zwei der drei gotischen Backsteinkirchen. Die Nikolaikirche ist diejenige Kirche, die die Luftangriffe während des Zweiten Weltkriegs quasi unbeschadet überstanden hat. Kann man auch besichtigen, für uns ein neuer Kirchenstil. Gotische Kirchen haben wir ja schon die eine oder andere besucht, aber bisher vorwiegend aus Sandstein. In Backstein ergibt sich noch einmal ein anderes Raumgefühl, nicht so nüchtern wie die fälschlicherweise weissen Kathedralen, und irgendwie wärmer. Die Kirche ist auch tatsächlich in Gebrauch, man könnte sagen, sie lebt: es gibt einen Mittagstisch “für alle” unterhalb der Orgel, eine historische Ausstellung und eine Bücherbörse mit gespendeten Büchern. Vor dem riesigen Flügelaltar aus der Georgenkirche findet kurz vor dem Zusperren noch eine kleine Andacht statt, und davor unterhalten sich die Gemeindemitglieder über Blockflöten aus dem 3D-Drucker (Urteil: klingt garnicht mal so schlecht).
Die anderen beiden grossen Backsteinkirchen hat der Krieg schwerer getroffen, das Langhaus der Marienkirche hat man wegen zu grosser Schäden 1960 sogar gesprengt. Schade drum, hat man sich inzwischen gedacht und den Grundriss der Kirche in Backstein als gut 1 Meter hohe Mauern nachgebaut. Auch diese Kirche muss ziemlich beeindruckend gewesen sein, der heute noch stehende Turm ist es noch immer. Immerhin kann man das Langhaus so jederzeit besichtigen, es ist eine Art Park. Im Gegensatz zur Marienkirche hat St. Georg lange genug gehalten, dass sie dann nach 1989 restauriert werden konnte.
Was gibt es noch? Einen 1 ha grossen Hauptplatz und reichlich Gassen und Plätze mit alten Kaufmannshäusern, die teilweise sogar noch die Vorrichtungen an den Giebeln aufweisen, an denen die Rollen des Lastenaufzugs befestigt waren. Alles vorbildlich restauriert und zu meinem Leidwesen durchgängig gepflastert, wie es das auch in Lübeck schon war. Kopfsteinpflaster sieht ja gut aus, das muss ich zugeben, aber für mein lädiertes Knie ist der Norden hier ein hartes Pflaster. Aus diesem Grund besitze ich seit heute ein Paar Trekkingschuhe, denn mit den Radschuhen oder den praktisch zusammenrollbaren Giesswein werde ich hier nicht glücklich.
Am Meer waren wir auch kurz wieder. Hier sehen die Badeorte weniger gstopft aus als der Timmendorfer Strand mit seinen Nobelboutiquen und BMW Cabrios. So gefällt uns das gleich viel besser.
Die Fotos
Die Strecke
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