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Tag 12: Rostock – Stralsund

Die Altstadt von Rostock ist zu einem guten Teil mit Kopfsteinpflaster gestaltet. Kopfsteinpflaster der Kategorie Freyung oder Michaelerplatz vor der Umgestaltung, so als Vergleichsmassstab für unsere Wiener Leser*innen. Sieht nett und historisch aus, aber wer mit dem Rad unterwegs ist, flüchtet nach Möglichkeit auf irgendeinen weniger rumpeligen Streifen, der oft genug der Gehsteig ist. Ist...

Le Chat à Vélo
Sep 2, 20263 min read

ie Altstadt von Rostock ist zu einem guten Teil mit Kopfsteinpflaster gestaltet. Kopfsteinpflaster der Kategorie Freyung oder Michaelerplatz vor der Umgestaltung, so als Vergleichsmassstab für unsere Wiener Leser*innen. Sieht nett und historisch aus, aber wer mit dem Rad unterwegs ist, flüchtet nach Möglichkeit auf irgendeinen weniger rumpeligen Streifen, der oft genug der Gehsteig ist. Ist zwar nicht erlaubt, spart aber Zahnarztkosten und bis jetzt sind wir vom wenigen Fussvolk geduldet worden. Durch die kleinen Gassen der Stadt ist bei so einem Belag nicht so angenehm und wer das Pech hat direkt neben einer von Autos befahrenen Strasse zu wohnen, merkt auch, dass das alles andere als leise ist, wenn da ein Auto drüberhoppelt. Aber hübsch und historisch und nicht so versiegelt wie Asphalt, weil in Sand verlegt, ja eh.

Hier in Stralsund gibt es das Zeug auch zu Hauf, auch in der FuZo. Hier hat man links und rechts der “Fahrbahn” grosse Platten verlegt, die jetzt von den meisten verwendet werden. Sieht ein wenig aus als wäre da gerade eine Baustelle drunter und alle gehen auf einer provisorischen Fläche über der Künette zum Edeka. Dort wollen wir auch hin und für den heutigen Abend eine Kostprobe “Störtebeker” Bier erwerben. Das “normale” Pils gibt es in jedem zweiten Lokal hier, denn die Brauerei ist aus Stralsund, beim alkoholfreien aber lassen die Lokale ein wenig aus, also kaufen wir ein Vierertragerl verschiedener Sorten zum Verkosten. Wie praktisch, dass unser Hotelzimmer einen Kühlschrank hat.

Benannt ist das Bier nach Klaus Störtebeker, einem legendären Piraten in der Ostsee des späten 14. Jahrhunderts. Um ihn ranken sich viele Legenden bis hin zu seiner Hinrichtung angeblich 1401 in Hamburg. Nach seinem Tod (egal ob 1401 hingerichtet oder eines natürlichen Todes gestorben, heute lebt er garantiert nicht mehr) hört die Legendenbildung nicht auf. Es wird ein Schädel gefunden und ihm zugeordnet, der Schädel wir dann später gestohlen, aoll aber ohnehin nicht der echte sein. Jede Menge Stoff für Literatur, Theater und Film auf jeden Fall, denn Piratenlegenden sind sowas wie die Robin-Hood-Gschichten der Landratten.

Wir Landratten nehmen natürlich nicht den Seeweg, weil eben Landratten und ausserdem auf Radtour und nicht auf Tretboot-Tour. Langsam wird es immer flacher, wir bewegen uns entlang der Darß-Zingster Boddenkette, einer Reihe von sehr flachen lagunenartigen Gewässern hinter einer langgestreckten Halbinsel. Erinnert nicht nur wegen der geringen Tiefe an den Neusiedler See, auch der Schilfgürtel und die zahlreichen Radfahrenden tragen zum pannonischen Eindruck bei, allerdings zu einem pannonischen Eindruck im April oder Anfang Mai, wenn auch im Burgenland noch alles schön saftig grün ist. Manchmal sieht es sogar ein wenig holländisch aus.

Stralsund wurde gemeinsam mit Wismar wegen der herausragenden Werke der Backsteingotik in die UNESCO Welterbe-Liste aufgenommen und auch sonst weist die Geschichte der beiden Städte ein paar Parallelen auf: man war Hansestadt, aber keine “freie” sondern stand unter der Herrschaft eines Fürsten, man war protestantisch und seit dem 30-jährigen Krieg unter schwedischer Herrschaft, die bis in frühe 19. Jahrhundert dauerte. Zu sehen gibt es auf einem Spaziergang in der Innenstadt so einiges, vom Rathaus und der Nikolaikirche am Alten Markt über die anderen Backsteinkirchen und Reste der Stadtmauern bis zum Hafen. Hier liegt heute wieder die erste Gorch Fock, die 1932 als Segelschulschiff von der deutschen Marine angeschafft worden war, 1945 absichtlich versenkt wurde und dann an die Sowjetunion und zum Schluss an die Ukraine fiel. Heute ist sie restauriert und gehört einem Verein, doch als Segelschiff ist sie nicht mehr im Einsatz. Zu diesem Zweck hat sich die deutsche Marine eine neue “Gorch Fock” bauen lassen, was für uns die Frage auf wirft, wozu ein Land auch heute noch ein Segelschulschiff für die Marine braucht. Aber wir sind ja auch nur Landratten, was verstehen wir da schon davon?

Die Fotos

Die Strecke

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    Rostock – Stralsund

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