Liebes Tagebuch (173) – Oderstrand
Vorberichterstattung am Oderstrand, wir sitzen in der ersten Reihe Gestern ein ganz spezielles Erlebnis gehabt. Wir waren von Radioeins eingeladen, das Spiel Deutschland gegen Polen zusammen mit…
Vorberichterstattung am Oderstrand, wir sitzen in der ersten Reihe
Gestern ein ganz spezielles Erlebnis gehabt. Wir waren von Radioeins eingeladen, das Spiel Deutschland gegen Polen zusammen mit mehreren hundert Menschen am Oderstrand in Frankfurt/Oder auf einer Leinwand zu schauen. Nun war ja dieses Spiel sowieso schon als Hochsicherheitsspiel eingestuft worden, und dazu liegt Frankfurt/Oder direkt an der polnischen Grenze. Dementsprechend waren sage und schreibe acht Kamerateams bzw. -männer anwesend, die sich links und rechts von der Leinwand aufgebaut hatten und das deutsch-polnische Publikum filmten. Über die gesamte Spielzeit! Wenn wir nicht in irgendeinem Beim gemeinsamen Public Viewing von deutschen und polnischen Fans blieb alles ruhig-Morgenmagazin-Beitrag auf RTL, ZDF, RBB, Sky oder sonstwo aufgetaucht sind, weiß ich’s auch nicht.
Jedenfalls blieb im großen und ganzen wirklich alles ruhig, was wohl nicht zuletzt auch an der massiven Polizeipräsenz lag. Mit fortschreitender Spieldauer konnte man zwar zunehmend in dem Bierkonsum geschuldete veritable menschliche Abgründe blicken, aber wie es jemand treffend formulierte, war die Stimmung unter den Zuschauern interessanter als das Spiel selbst. Links von uns saß eine Gruppe eigentlich ganz unscheinbar aussehender 18jähriger, die zwischen ihren Deutschlaaaaand, Deutschlaaaand-Gesängen immer wieder gerne Spieler zunächst nur des Gegners – Robert, du Muschi (das ist die harmlose Variante!) –, später dann auch die der eigenen Mannschaft beschimpften. Dazu brüllte einer von ihnen völlig anlasslos immer wieder aus vollem Hals Pfuuuiii. Rechts von uns saß eine 16jährige, die ab der zweiten Halbzeit in kurzen Abständen unmotiviert gellende Schreie ausstieß, die ihr Freund mit lauthals gegröhlten Schimpfworten aus dem urologischen Bereich gen Leinwand begleitete. Lustig hingegen war der Sprechchor Hu, Hu, Hubschraubereinsatz hinter uns, als sich ein Spieler nach einer Schwalbe auf dem Boden wälzte.
Wie gesagt, ein Erlebnis der speziellen Art – das nächste Spiel werden wir wohl aber wieder in kleinerer Runde schauen.
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