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Die Sonos-Experience

Hört man sich im Internet nach Sonos um (für die, die noch nichts davon gehört haben: Sonos ist ein System aus drahtlos vernetzten Lautsprechern und Audiokomponenten, über die man Streamingdienste…

Esse est percipi
Apr 1, 20146 min read1 read

ört man sich im Internet nach Sonos um (für die, die noch nichts davon gehört haben: Sonos ist ein System aus drahtlos vernetzten Lautsprechern und Audiokomponenten, über die man Streamingdienste, Internetradio oder die eigene Musikbibliothek hören kann), findet man ausnahmslos begeisterte Menschen, die von einfacher Bedienung, tollem Klang und hohem Suchtfaktor („brauche unbedingt noch ’ne Play:1 fürs Gästeklo“) schwärmen. Nun gut, hier sind meine Erfahrungen.

Die Installation

Man kann das System installieren, ohne sich zu registrieren. Allerdings habe ich dann keine Updates angeboten bekommen, weder für die Komponenten noch für den Desktop-Controller. Darüber hinaus werden ohne Registrierung unter „Mehr Musik“ nur kümmerliche zwei Streamingdienste angezeigt – da ist dann leider nichts mit Amazon Cloud Player oder Hype Machine oder 8Tracks. Entschließt man sich dann zähneknirschend doch zur Registrierung, wird man während des Prozesses unter anderem um Freigabe von Nutzungsdaten gebeten, mit dem Hinweis, dass man die Freigabe in den Controller-Einstellungen jederzeit rückgängig machen kann.

Pustekuchen! Sowohl beim Desktop- wie auch beim iOS-Controller ist die entsprechende Option jedes Mal, nachdem sie abgewählt wurde, ohne jegliches Zutun wieder angewählt, wenn die Einstellungen erneut geöffnet werden. Der Sonos-Support dazu:

Bei einem System, welches bereits registriert ist, müssten die Geräte auf Werksstandard zurückgesetzt werden, um diese Einstellung abzuändern, dabei gehen allerdings Sonos Favoriten und Playlisten verloren.

Vielen Dank. Beim Registrierungsprozess und auf den Hilfe-Seiten hört sich das allerdings komplett anders an. (1, 2).

Die Konnektivität

Um die eigene Musikbibliothek hören zu können, fügt man dem Sonos-System Freigaben, oder anders gesagt: Ordner mit Musikdateien hinzu. Diese Ordner können auf einem Rechner im Netzwerk oder auf einem NAS liegen. Da mir ein dezidiertes NAS wegen der Lüfter zu laut ist, habe ich einen AirPort Extreme, einen USB-Hub und zwei 2,5"-Festplatten gekauft und meine Musikbibliothek darauf ausgelagert. Das Einbinden ins Sonos-System war einfach, Musik und Playlisten wurden nach der Indizierung problemlos abgespielt. Bis die Platten das erste Mal in den Ruhezustand gingen. Danach ging gar nichts mehr. Die Festplatten fuhren beim ersten Zugriff zwar wieder hoch, aber das Sonos-System erkannte (im Gegensatz zu allen anderen Geräten im Netz) die Freigabe nicht mehr und weigerte sich fortan beharrlich, noch irgend etwas abzuspielen.

Um es kurz zu machen: Der Support wirkte erstens ausgesprochen lustlos und hatte zweitens noch nicht mal ansatzweise eine Lösung parat – offensichtlich ist es beim Sonos-Support auch gar nicht vorgesehen, da mal etwas tiefer zu graben oder so eine Bugmeldung beispielsweise an die Entwickler weiter zu geben.

Wenn Sie also planen, Sonos-Komponenten mit einem AirPort Extreme und daran angeschlossenen Festplatten zu benutzen – bei mir funktioniert das auch nach mehrmaligem Telefon- und Mailkontakt mit dem Support nicht. Bzw. nur so lange, bis die Festplatten in den stromsparenden / materialschonenden Ruhezustand gehen. Danach müssen Sie die Freigabe erneut einrichten. Inklusive Indizierung und allem Drum und Dran. Völlig inakzeptabel, meiner Meinung nach.

Die Bedienung

Sonos wird wegen der Bedienungsfreundlichkeit gern mit Apple verglichen – okay, dann vergleichen wir mal:

Möchte man mit iTunes eine Playlist in zufälliger Reihenfolge hören, wählt man sie aus, drückt auf Zufall und Play – boom, läuft.

Möchte ich das selbe mit Sonos machen, wähle ich die Playlist aus, drücke auf Alle Titel und im nachfolgenden Dialog auf Jetzt abspielen. Anschließend suche ich erst mal im Internet, wo die zufällige Wiedergabe in der iPhone-App aktiviert wird, drücke dann auf den Bereich, in dem Titel, Interpret und Album aufgeführt werden und wähle im anschließenden Popover-Fenster den Zufall-Button aus. So weit, so gut (und im Internet muss man ja zugegebenermaßen auch nur das erste Mal suchen). Blöd allerdings, wenn ich vorher bereits andere Stücke oder andere Playlists gehört habe, die werden alle in die zufällige Wiedergabe mit einbezogen. Der Sonos Controller legt nämlich ungefragt alles, was ich abspielen möchte, erst in eine Liste, gern auch doppelt oder dreifach, die dann abgespielt wird, außer, ich lösche vor dem Abspielen einer Playlist diese Liste (und bestätige mit einem weiteren Klick, dass ich auch wirklich alle Elemente löschen will) oder ersetze sie (unter iOS) mit der ausgewählten Playlist. Verwirrend? Stimmt. Umständlich? Sie sagen es.

Die iPhone-App

Das Sonos-System läuft in einem lokalen Netzwerk, eine Steuerung von außerhalb ist nicht vorgesehen. Warum dann die (nebenbei bemerkt: unsagbar umständliche und unintuitive) iPhone-App innerhalb von kurzer Zeit 5,6 MB unbekannte Daten über das mobile Netz verschickt und – viel schlimmer – jetzt, nachdem ich „mobile Daten“ für die Sonos-App ausgeschaltet habe, genau das bei jedem Öffnen anmeckert und jedes Mal ein Popup-Fenster öffnet, das ich erst schließen muss, bevor ich die App dann nutzen kann, ist mir völlig schleierhaft. Und trägt nicht übermäßig zu meinem Vertrauen bei.

Der Klang

Die Sonos Play-Komponenten haben für meine Ohren mit klassischem Hifi ungefähr so viel zu tun wie drei nebeneinander gestellte Kofferradios mit Surround-Sound. Der Klang ist okay, nicht mehr und nicht weniger. Das ist auch gar nicht schlimm, aber man muss es eben wissen, damit man nicht irgendwelche Klangerlebnisse erwartet, die man gemeinhin von Hifi-Anlagen gewohnt ist. Auch die Play:5 (die größte Sonos-Box) kommt klanglich noch nicht mal in die Nähe meiner uralten NAD 800-Regalboxen in meinem Arbeitszimmer. Will ich Musik nicht als Hintergrundgeräusch, sondern als Genuss erleben, höre ich persönlich Musik deshalb nicht über die Sonos-Boxen, sondern über die gute alte Anlage mit Verstärker, der die Musik über einen AirPort Express vom Rechner empfängt, ferngesteuert mit der Remote-App.

Der Suchtfaktor

Zwei Play:1, eine Play:5, eine Sonos Bridge und die Erkenntnis, mir für nichts und wieder nichts einen AirPort Extreme gekauft zu haben, der jetzt nutzlos herumliegt, reichen mir völlig. Wir hätten zwar noch ein paar Zimmer ohne Musik, aber weitere Sonos-Boxen kommen aller Voraussicht nach nicht mehr ins Haus.

Das Fazit

Das drahtlose Musikhören von unterschiedlichen Quellen in verschiedenen Zimmern zentral über einen Rechner bzw. iOS- oder Android-Geräte steuern zu können, ist zweifellos eine gute Idee. Hätte ich aber vorher um diese ganzen Unzulänglichkeiten gewusst – Zwangsregistrierung, kein Zusammenspiel mit AirPort Extreme, mangelhafter Support, unausgereifte und unintuitive Software – hätte ich mich intensiver nach Alternativen umgesehen. Bose fängt ja mit SoundTouch ganz vielversprechend an – sechs Hardware-Presettasten und AirPlay-Unterstützung klingt jedenfalls schon mal ziemlich gut.

Nun wirft man eine 800-Euro-Investition nicht so mirnichtsdirnichts aus dem Fenster, deshalb behalten wir die Sonos-Boxen erst mal und nutzen sie hauptsächlich für Internetradio. Demnächst soll es neue Software-Versionen von Sonos geben, vielleicht (hoffentlich!) wird dann alles besser. Parallel dazu werde ich aber die Entwicklung des Bose-Systems nicht aus den Augen verlieren. Sollte Sonos nicht aus den Puschen kommen und Bose mit den kommenden Software-Versionen Fortschritte machen, habe ich überhaupt kein Problem damit, zu wechseln.

Wertung: Idee gut, Ausführung eher enttäuschend.

Der Sonos-Support dazu (nach einem 20-minütigen Telefonat, in dem ich das Problem genauestens geschildert habe):
Nach Rücksprache mit den Kollegen bietet sich eigentlich nur eine Option in der momentanen Konfiguration. Den Ruhe Modus für externe Geräte auf der Fritzbox deaktivieren.

Möglicherweise hat sich der Support-Mitarbeiter da aus den von mir während des Telefonats übermittelten Diagnoseinformationen irgendwas zusammengereimt – Fakt ist, dass die Festplatten an einem AirPort Extreme und nicht an einer Fritzbox angeschlossen sind, was ich auch genau so gefühlte 14 Mal während des Telefonats erwähnt habe.

Okay, also dem Support das Problem noch mal schriftlich übermittelt, hier ein Auszug:

Noch mal zusammengefasst: Sobald die Platten ein einziges Mal in den Ruhezustand gegangen sind, ist die Freigabe verschwunden und mit keiner Maßnahme wieder zu holen. Das einzige, was hilft, ist eine neue Freigabe mit dem gleichen Pfad einzurichten, dann geht es wieder.

Das bedeutet aber leider nichts anderes, als dass ich jedes Mal, nachdem die Platten aus dem Ruhezustand aufgeweckt werden, die Freigabe neu einrichten und auf die Indizierung warten muss – das kann es ja nicht sein.

Die Antwort vom Support:

Dann ist, wie gesagt, die Option den Ruhemodus abzuschalten. Das dies beider Extreme nicht geht bieten sich folgende Möglichkeiten

-- Ein NAS verwenden, sofern die derzeit verwendeten Platten USB angeschlossen sind. -- Die Platten wieder an die Fritzbox anschliessen, wo es ja funktioniert hat.

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