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Die unendliche Quark-Geschichte (Update)

1991 hat eine QuarkXPress-3-Lizenz 2.400 DM gekostet. Ein paar Jahre später, als Apple den Schritt von 68k zu PowerPC-Prozessoren machte, musste man als Inhaber einer QuarkXPress-Lizenz sage und…

Esse est percipi
Nov 4, 2011 · 4 min read · 1 read

1991 hat eine QuarkXPress-3-Lizenz 2.400 DM gekostet. Ein paar Jahre später, als Apple den Schritt von 68k zu PowerPC-Prozessoren machte, musste man als Inhaber einer QuarkXPress-Lizenz sage und schreibe 800 DM hinblättern, um einen PPC-kompatiblen Diskettensatz zu bekommen. Die Dongle-geschützte Version 4 von QuarkXPress kostete in der Mac-Version bereits 3.600 DM. Die Windows-Version war interessanterweise 1.200 DM billiger – ein ziemlicher Schlag ins Gesicht der Leute, die Quark erst zu dem gemacht hatten, was es zu dem Zeitpunkt (noch) war.

Platzhirsch

Es gab damals einfach keine ernstzunehmende Konkurrenz: PageMaker war bereits Ende der 1980er k.o. gegangen, RagTime führte ein Nischen-Dasein, und InDesign war noch nicht in Sicht. Quark konnte sich also nahezu alles erlauben: Überhöhte Preise, schlechten Support, sogar das offene Eingeständnis, dass die deutschen Wörterbücher der Version 4 unbrauchbare Ergebnisse lieferten.

K2, der „Kuark Killer“

Ende der 1990er entschloss sich Adobe, Quark anzugreifen. Dazu kauften sie K2, ein unveröffentlichtes Satzprogramm von Aldus, der Firma, die in den 1980ern auch Pagemaker entwickelt hatte. Die erste Version von Adobe InDesign war schwerfällig und XPress weit unterlegen, das änderte sich aber schon mit Version 1.5.

Quark vertraute auf seine Marktdurchdringung und unternahm nichts. Während InDesign 2.0 Anfang 2002 auch unter Mac OS X lief, veröffentlichte Quark im selben Jahr Version 5, lauffähig nur unter Windows und Mac OS 9. Fred Ebrahimi, der CEO von Quark, meinte dazu lapidar, wer mit der Quark-Politik bezüglich der Mac-Unterstützung nicht zufrieden sei, solle auf was anderes umsteigen, die Mac-Plattform würde ohnehin schrumpfen.

Freier Fall

Um die Geschichte abzukürzen: Als der ganz normale Grafikdesigner sich nicht mehr mit dem schlechten Support zufrieden geben wollte und umstieg, als große Zeitschriftenverlage begannen, ihre Prepress-Abteilungen auf InDesign umzustellen, als der Marktanteil von QuarkXPress von 90% binnen weniger Jahre auf 25% sank, begann auch bei Quark allmählich das Umdenken.

2005 wurde offiziell bekannt gegeben, dass die Preise gesenkt werden und dass es zukünftig regelmäßigere Updates geben soll. Im Dezember 2006 wurde in England die QuarkXPress-Windows-Version 5.0 als Beilage einer Computerzeitschrift sogar kostenlos verteilt.

Genützt indes hat es nichts. Die Anwender waren mittlerweile zufrieden mit InDesign und wollten nicht mehr zurück.

Wird jetzt alles besser?

Und jetzt das: Ein Update auf QuarkXPress 9 bekommt man in den USA bis Ende des Jahres für den Schnäppchenpreis von 299 Dollar. Von welcher Version man updatet, spielt dabei keine Rolle – auch von Version 3 könnte man also für diesen Preis updaten.

Wahnsinn! Ein Frontalangriff auf Adobe! Und so günstig! Da könnte man ja wirklich noch mal schwach werden, denkt man.

Nicht wirklich

Tja – wenn es in Deutschland nicht schon wieder ganz anders aussähe: Hierzulande kostet das Update nämlich 399 Euro zzgl. MwSt. (474,81 brutto). Und man muss mindestens Version 6 besitzen, um überhaupt updaten zu können. Das macht das Ganze so uninteressant, dass man gähnend abwinkt.

Ich für mein Teil nehme diese neuerliche Quark-Kapriole zum Anlass, meinen QuarkXPress-Programmschuber nun endgültig im Keller einzumotten. Es waren mitunter ganz schöne Zeiten, damals, aber irgendwann ist auch mal Schluss. In diesem Jahrhundert scheint Quark offensichtlich nicht mehr zur Vernunft zu kommen.

Update 10.11.2011

Im offiziellen Quark-Shop ist die Upgrade-Möglichkeit auf Version 9 so beschrieben:

QuarkXPress Kunden, welche Version 6 oder älter haben, können bis zum 31. Dezember 2011 QuarkXPress 9 zum Upgrade Preis kaufen. Nach dem 31. Dezember 2011 können laut Quark's Upgrade-Bestimmungen Nutzer mit QuarkXPress Version 7 oder 8 weiterhin ein Upgrade auf Version 9 erwerben. Nutzer mit älteren Versionen müssen eine Vollversion QuarkXPress 9 erwerben.

(Hervorhebungen von mir)

Auch die Mitarbeiterin der Support-Hotline, die ich vor dem Veröffentlichen des Eintrags angerufen hatte, sagte klipp und klar, dass der besondere Upgrade-Preis in Deutschland nur für Versionen ab 6 gilt.

Nachdem Peter Tosch in den Kommentaren einen Link veröffentlicht hat, wo man erfreulicherweise auch in Deutschland von allen älteren Versionen für 399,- zzgl. MwSt. upgraden können soll, hat sich mittlerweile auch der Senior Product Manager von Quark Europe, Matthias Günther, per E-Mail gemeldet und ebenfalls einen Link zur 399-Euro-Upgrade-Aktion geschickt: Quark startet ein besonderes Upgrade-Programm für aktuelle und frühere QuarkXPress Anwender.

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