Das iPad, die Inhalte und Adobe
Da haben wir sie nun, die Digital Publishing Suite (DPS) von Adobe: Mittels InDesign CS5.5 (oder einem nachgerüsteten 5.0) soll man seine Publikationen schnell und einfach auf mobile Endgeräte…
a haben wir sie nun, die Digital Publishing Suite (DPS) von Adobe: Mittels InDesign CS5.5 (oder einem nachgerüsteten 5.0) soll man seine Publikationen schnell und einfach auf mobile Endgeräte bekommen. Ein paar Zitate von Adobes Website:
Machen Sie ansprechende, CI-konforme Leseerlebnisse auf einer Vielzahl mobiler Endgeräte verfügbar, z. B. Apple iPad und Android™- und BlackBerry PlayBook-Tablets.
Erstellen Sie Publikationen und Dokumente mithilfe der vertrauten Komponenten aus der Adobe Creative Suite® 5.5.
Veröffentlichen Sie eindrucksvolle Leseerlebnisse, die ansprechende interaktive Elemente wie 360°-Rotation und Panoramabilder enthalten […]
Entwickeln Sie erstklassiges Marketing-Material, das Kunden durch Interaktivität anspricht […]
Schöne Aussichten
Super, denkt der geneigte Gestalter, darauf habe ich lange gewartet – dazu noch mit einem Authoring-Programm, das mir vertraut ist. Kommt mir gerade recht, wo ich demnächst die 35 iPads meines Kunden auf der IAA mit einem schicken Magazin bestücken soll.
Tja, wäre wirklich toll, wenn das so einfach ginge, wie es ginge, wenn Adobe denn wollte. Aber die Realität sieht leider anders aus. Das, was noch mit den Beta-Versionen der DPS möglich war, nämlich eine .folio-Datei lokal zu speichern um sie anschließend per iTunes auf ein paar iPads zu kopieren (das sog. Sideloading), wo sie dann mit dem Adobe-Viewer angeschaut werden kann, geht in der finalen Version nicht mehr. Speichern wurde ersatzlos gestrichen!
Pustekuchen
Stattdessen muss das Folio umständlich auf einen Adobe-Server hochgeladen werden. Wozu man allerdings erst einen Acrobat.com Account anlegen muss. Ebenso wie jeder, der sich meine Publikation anschauen möchte. Und will man mehr als ein Folio hochladen bzw. verteilen, benötigt man schon die kostenpflichtige Acrobat.com-Variante. Aber auch dann braucht jeder, der sich meine Publikationen anschauen will, ebenfalls einen Acrobat-Account. Diese Art der Verteilung ist so dermaßen unpraktikabel, dass man sich einigermaßen fassungslos fragt, was zum §$%&# sich Adobe dabei gedacht hat.
Adobe-Einzugs-Zentrale
Liest man neben den Testimonials und dem ganzen vollmundigen Marketingsprech dann auch mal das Kleingedruckte, wird’s klar: Zahlt man eine zusätzliche Monats- bzw. Jahresgebühr, funktioniert das mit der Distribution auf einmal ganz einfach:
Die Digital Publishing Suite unterstützt Apple-Abonnements über den Apple App Store. Zusätzlich ist die Unterstützung unterschiedlicher Verkaufstrategien geplant: kostenlose Inhalte, Erwerb von Einzelausgaben, Mehrfachausgaben und für Verlage die Möglichkeit der Einbindung vorhandener E-Commerce- und Fulfillment-Abläufe zur Bündelung von Print- und digitalen Medien und sonstigen Angeboten.
Lizenz zum Geld drucken
Adobe verlangt (beim kleinsten Paket) für jede heruntergeladene Publikation 16 Cent, was sich zunächst nach gar nicht so viel anhört. Das kleinste buchbare Paket besteht allerdings aus 25.000 Downloads/Jahr, in Höhe von insgesamt 4.260 Euro (die im Übrigen im Voraus zu bezahlen sind), dazu kommt eine monatliche Plattformgebühr in Höhe von 335 Euro.
Um die erwähnten 35 iPads meines Kunden mit einer Publikation zu bestücken, die von mir mit Tools hergestellt wurde, für die mich Adobe bereits zur Kasse gebeten hat, muss ich also sage und schreibe noch mal 8.280 Euro an Adobe bezahlen!
Man stelle sich vor, man müsste für jedes gedruckte Magazin, das mit InDesign layoutet wurde, ein paar Cent an Adobe zahlen. Oder für jede Flashdatei, die im Internet veröffentlicht wurde …
Ohne uns
Ich kann nur hoffen, dass der Druck auf Adobe so zunimmt, dass nach einem baldigen Update zumindest das lokale Speichern und damit auch Sideloading wieder möglich sein wird. Natürlich soll Adobe Geld verdienen, aber bei allem Verständnis: Wenn es mit der Digital Publishing Suite nicht möglich ist, mal eben ein persönliches Portfolio, Verkaufsunterlagen für ein paar Außendienstmitarbeiter, oder eben ein Magazin für 35 Messehostessen aufs iPad zu bekommen, wird sie unweigerlich ein Flop.
Und das wäre schade.
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