Liebes Tagebuch (111)
Ich weiß, was ich vor 20 Jahren getan habe Ich war mitten im Studium und habe abends in der Kneipe meiner damaligen Freundin gejobt. Die Kneipe war ziemlich leer, lediglich mein Kumpel Hermann saß…
Ich weiß, was ich vor 20 Jahren getan habe
ch war mitten im Studium und habe abends in der Kneipe meiner damaligen Freundin gejobt. Die Kneipe war ziemlich leer, lediglich mein Kumpel Hermann saß vor der Theke. Auf der Theke flimmerte ein kleiner Schwarzweiß-Fernseher, und wir konnten beide nicht fassen, was da geschah. Zuhause lief der Fernseher später noch bis in die Morgenstunden.
Vier Wochen später, im Dezember 1989, sind wir mit 700 Ostmark (auf der Sparkasse getauscht gegen 70 Westmark) ein paar Tage erst nach Weimar, dann nach Erfurt gefahren und haben Broiler gegessen (sehr lecker), uns von sau-unfreundlichen Kellnerinnen anraunzen lassen (das sei so üblich, versicherte man uns), Früchte des Meeres kennengelernt (das Nordsee des Ostens), uns von den dringendsten Wünschen erzählen lassen (Marlboro und Videorekorder), haben den unverwechselbaren Braunkohle-Zweitakter-Geruch geatmet (Puh!) und waren erfreut über die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der allermeisten Menschen.
Blöd war damals nur, dass es in ganz Kassel keine eine einzige Spanplatte mehr gab – alle aufgekauft von den Bewohnern des nahen Thüringens (offensichtlich waren dort auch Spanplatten Mangelware) –, deshalb musste unser Küchenumbau einige Wochen verschoben werden. War mir aber auch ganz recht.
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