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Designer sind keine Dekorateure

Oder: Was genau macht eigentlich ein Designer? In den letzten Jahren ist es durch die inflationäre Verwendung des Ausdrucks „Design“ – mitunter auch in durchaus abwegig zu nennenden Zusammenhängen…

Esse est percipi
Oct 15, 2008 · 3 min read · 1 read

Oder: Was genau macht eigentlich ein Designer?

n den letzten Jahren ist es durch die inflationäre Verwendung des Ausdrucks „Design“ – mitunter auch in durchaus abwegig zu nennenden Zusammenhängen (Designernudeln!) – leider zu einer Unschärfe des Begriffs an sich gekommen, die weite Teile der Bevölkerung glauben lässt, ein Designer sei sozusagen ein Stylist, dessen Aufgabe es ist, Dinge hübsch, trendy und zeitgemäß aussehen zu lassen.

Aus der Wikipedia (Hervorhebung von mir):

Im Deutschen ist die Bezeichnung „Design“ als Bezeichnung für den Prozess des bewussten Gestaltens vor allem einer Fachszene geläufig. Im Verlauf der jüngeren Designgeschichte wurde er Bestandteil des allgemeinen Sprachgebrauchs. Hier dient er häufig als Sammelbegriff für alle bewusst gestalteten Aspekte eines realen oder virtuellen Objektes, einer Dienstleistung oder Marke. Design wird damit entgegen dem Selbstverständnis der Designer immer noch als Applikation, als „add on“ missverstanden, das vor allem ästhetischen Regeln zu folgen habe.

Die Befolgung ästhetischer Regeln beschreibt aber nur einen winzigen Teil der Aufgaben, die ein Designer während eines Gestaltungsprozesses zu bewältigen hat. Ein Gutteil zu dieser irrigen Auffassung hat sicherlich auch der Umstand beigetragen, dass sich jeder beliebige Mensch „Designer“ nennen darf – ob er eine entsprechende Ausbildung hat oder nicht. Und die Werke irgendwelcher Autodidakten genügen eben – wenn überhaupt – lediglich ästhetischen Ansprüchen. Unter anderem deshalb gibt es seit einiger Zeit übrigens auch so genannte „Usability Experten“, die einen Teil der Arbeiten übernehmen, die ein ausgebildeter Designer ganz selbstverständlich mit in den Gestaltungsprozess einbezieht.

Design > Dekoration

Wie der Aufgabenbereich eines Designers aussieht, kann man ebenfalls in der Wikipedia nachlesen:

Die Arbeit des Designers konzentriert sich auf folgende Bereiche:

  • Funktion
  • Wirtschaftliche Herstellbarkeit
  • Ergonomie, Bedienbarkeit
  • Form und Größe
  • Haltbarkeit, Reparierbarkeit
  • Umweltschädigung (ökologischer Rucksack)
  • Soziale Akzeptanz, gesellschaftliche Relevanz
  • Zielgruppengerechte Ästhetik
  • Mehrwert gegenüber bestehenden Produkten
  • Übersetzung von Inhalten in Formen, Räume oder Szenarien
  • Konstruktion/Materialeigenschaften eingesetzter Medien:
    • Farbe, Oberfläche (Reflexion)
    • Gewicht
    • Stabilität/Elastizität
    • Durchlässigkeit für Licht, Luft, Wasser, andere Stoffe

Ich kann das noch ergänzen um Konzeption, Projektplanung, Problemanalyse, Kreativitätstechniken, das Wissen um Lesegewohnheiten, Farbwirkungen, Mikro- und Makrotypographie, Wahrnehmungspsychologie, Dramaturgie, Kommunikationstheorien usw. usf. Wie man sieht, ist Design eben mehr als die Verwendung von Pixelschriften oder runden Ecken oder Pastelltönen oder Spiegelungen oder was gerade so angesagt ist. So, wie ein Füllhalter noch keinen Hemingway macht, macht eben auch ein Photoshop oder ein 3D-Programm noch keinen Designer.

Was ist „gutes“ Design?

Eine scheinbar komplizierte Frage, auf die es eine ganz einfache Antwort gibt: Das beste Design ist in den allermeisten Fällen das, was der Rezipient gar nicht bemerkt. Design ist nämlich nie Selbstzweck, sondern stellt sich immer in den Dienst der Aufgabe. Und natürlich orientiert es sich immer auch am Menschen und seinen Bedürfnissen. Deswegen tritt es sozusagen von selbst in den Hintergrund.

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