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Brönner, bleib bei deinen Tröten

Entschuldigen Sie den schlechten Kalauer im Titel, aber dass Till Brönner nicht singen kann, ist ja eigentlich nichts neues. Trotzdem bewundere ich den fast kamikaze-esk zu nennenden Mut, ein Stück…

Esse est percipi
Sep 23, 20082 min read1 read

ntschuldigen Sie den schlechten Kalauer im Titel, aber dass Till Brönner nicht singen kann, ist ja eigentlich nichts neues. Trotzdem bewundere ich den fast kamikaze-esk zu nennenden Mut, ein Stück auf seiner neuen CD Rio selbst zu singen (Só Danço Samba) – auf der gleichen CD, auf der immerhin auch Kurt Elling, der zeitgenössische Jazzsänger überhaupt, als Gastmusiker ein Stück singt (Sim Ou Nao).

Er kann’s ja eigentlich

Dabei ist genau das letztgenannte Stück ein hervorragendes Beispiel für Brönners einfühlsames Trompetenspiel – zusammen mit Ellings Gesang entsteht in der Tat ein magischer Gänsehaut-Moment. Eine Freundin, der ich das Stück heute schickte, schrieb zurück, sie habe weinen müssen.

Wenn Till Brönner allerdings singt, muss man – bestenfalls – verschämt lächeln. Und sowieso ist es ein bisschen peinlich, dass von der Plattenfirma so getan wird, als sei Brönner der Retter der Bossa Nova – Zitat: „Hier taucht er ein in die pulsierende Sinnlichkeit der brasilianischen Musik und verhilft großen Schätzen einiger der berühmtesten Songwriter Brasiliens wie Antônio Carlos Jobim, Chico Buarque und João Donato zu neuem Glanz.

Meister Proper

Verhilft zu neuem Glanz – Jungejunge, wenn das mal nicht eine 1A-Definition für extrem weit aus dem Fenster gelehnt ist. Klingt außerdem auch ein bisschen zu sehr nach Putzmittel-Werbesprüchen der 70er.

Was ich schon bei der letzten Brönner-CD bemängelte, ist auf Rio leider nicht besser geworden: Die Produzenten verteilen großzügig Zuckerguss (in diesem Fall wahrscheinlich Zuckerrohrsirup) über die Regler Arrangements, damit auch ja kein Möchtegernjazzkenner verschreckt wird. Nach dem Motto: Unter allen Umständen Kuschelrock-kompatibel bleiben.

Süßstoff-Bossa Nova

Fazit: Die großartige Chance, auch Brigitte- oder Für Sie-Leserinnen die echte Bossa Nova mal näher zu bringen, wurde leider vertan. Zu meinem großen Bedauern. Allzu seicht wird hier versucht, mit dem Gesicht, oder von mir aus auch: Renommée Brönners – der, ich sag es noch Mal: ein begnadeter Jazztrompeter vor dem Herrn ist –, eine Formatradio-konforme Süßstoff-Bossa Nova zu vermarkten.

Das haben weder sie noch wir verdient. Was übrigens auch Amazon-Käufer so sehen.

Und a propos sehen: Das Cover steht der Musik in nichts nach.

Trotzdem zwei Mützen:

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