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Andere Länder, andere Sitten

USA Vor drei Jahren fragte mich jemand aus den USA per E-Mail, ob er mein Weblog-Design für sein eigenes Blog lizenzieren könne. Ich schrieb ihm zurück, dass ich ihm selbstverständlich eine…

Esse est percipi
Jul 23, 2008 · 4 min read · 1 read

USA

or drei Jahren fragte mich jemand aus den USA per E-Mail, ob er mein Weblog-Design für sein eigenes Blog lizenzieren könne. Ich schrieb ihm zurück, dass ich ihm selbstverständlich eine kostenlose Lizenz erteilen würde, sofern er sie nicht weiterverteilen oder verkaufen würde. Seine Antwort:

Thanks for your reply, Michael.

I feel that is important to pay for things which have real value, so in this case I don’t mind paying if a price is reasonable. I am often proud of the work I do, and while I sometimes give things away for free, sometimes it is also nice to be rewarded in some way.
[...]
At the very least, let me know if you have a „wish list“ on Amazon, and I’d be happy to thank you with a gift.

Übersetzung

Danke für deine Antwort, Michael.

Ich finde es wichtig, für Dinge zu bezahlen, die einen echten Wert besitzen, deshalb macht es mir in diesem Fall überhaupt nichts aus, einen angemessenen Preis zu zahlen. Ich bin häufig stolz auf meine Arbeit, und obwohl ich manchmal Dinge verschenke, ist es manchmal auch ganz schön, irgendwie entlohnt zu werden.
[...]
Zuallermindest lass mich wissen, ob du eine „Wunschliste“ bei Amazon hast, ich würde mich freuen, dir mit einem Geschenk zu danken.

Geld wollte ich wirklich keins von ihm, also habe ich ihm den Link zu meiner Wunschliste geschickt, und schon ein paar Tage später kam ein Paket von Amazon. Das Design wurde übrigens dann doch nie benutzt, weil das geplante Blog gar nicht eingerichtet wurde.

Deutschland

Vor einigen Wochen fragte mich jemand aus Deutschland, ob er mal in meinen Quellcode schauen dürfe, er fände diese Idee mit dem feststehenden transparenten Header so super, wie ich das denn gemacht hätte, bestimmt mit Javascript oder so. Ich erklärte ihm, wie so etwas grundsätzlich funktioniert (mit CSS), bei welchen Browsern man aufpassen muss, dass ich auch Conditional Comments einsetze und schrieb dazu:

Sie dürfen gerne in den Quelltexten und CSS-Dateien herumstöbern, da habe ich überhaupt nichts gegen. Wenn Sie den Effekt auf einer eigenen Website umgesetzt haben, können Sie mir ja mal einen Link schicken.

So weit, so gut. Ein paar Wochen später erhielt ich eine E-Mail:

Hallo, sie wollten ja gerne mal das Resultat sehen.
[...]
Das Resultat habe ich zuim runterladen auf www.joomla.de bereitgestellt
http://www.joomlaos.de/Downloads…

Aha. Sieh mal an. Da bastelt der Typ meinen Header nach, packt das ganze in ein Template und stellt es anschließend für jedermann zum Download zur Verfügung (aktueller Downloadstand: 753 plus 604 für die Version 1.5 ). Und erwähnt natürlich mit keiner Silbe, woher die Inspiration stammt.

Ich schrieb ihm also, dass ich davon ausgegangen sei, dass er den Header für sich nutzen wolle, und nicht für ein frei herunterladbares Template. Und dass ich in diesem Fall zumindest eine Quellenangabe für angemessen gehalten hätte, was aber heutzutage augenscheinlich zu viel verlangt sei.

Paralleluniversum

Nun könnte man vielleicht annehmen, jetzt wäre so etwas ähnliches wie eine Entschuldigung an der Reihe gewesen – Pustekuchen:

Scheinbar würden sie dafür das ich ihre Idee verwendet habe noch am liebsten Geld verlangen. Manche Web-Designer sind wohl so, musste ich des öfteren bei solchen Kleinigkeiten erfahren.
[...]

Ist das zu fassen? Jetzt wird er auch noch pampig! Gebietet nicht eigentlich schon die rudimentärste Kinderstube, dass man fremde Ideen nicht als seine eigenen ausgibt? Erst recht nicht, wenn man den Urheber vorher sogar noch ausdrücklich um Unterstützung gebeten hat? Nein, offensichtlich nicht.

And the times, they aren’t …

Wie man sieht, hat sich in den letzten vier Jahren an der hierzulande weit verbreiteten nehmen ist seliger denn geben-Mentalität nicht allzu viel geändert.

Dazu passt auch, dass es der Gewinner des nagelneuen Buchs (mit dem ich vor sechs Wochen eigens zur Post geradelt bin, um es dort für 5,40 Euro aufzugeben) bisher auch noch nicht für nötig befunden hat, wenigstens kurz zu signalisieren, ob es angekommen ist – geschweige denn, mal dankeschön zu sagen.

Kostenlos = wertlos

Und genau deshalb gibt es die Designers Toolbox seit Version 1.5 auch nicht mehr umsonst. Dinge haben nämlich offensichtlich viel mehr Wert, wenn sie etwas kosten: Von den 51.758 Downloadern der freien Version habe ich vielleicht von zweien oder dreien eine E-Mail erhalten – aber von den knapp 200 Rotweinspendern haben sich immerhin 63 mit Lob oder Tadel gemeldet. Auf die Spenden bin ich ganz sicher nicht angewiesen, aber durch die Rückmeldungen habe ich nicht mehr das Gefühl, dass meine Arbeit in einem schwarzen Loch verschwindet. Und nur so behalte ich die Motivation für weitere Updates.

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