Radikahlschlag
Oder: „Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.“ Ich weiß nicht, von wem dieses Zitat stammt, aber es beschreibt meine – und nicht nur meine – Stimmung zur Zeit ziemlich exakt…
Oder: „Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.“
ch weiß nicht, von wem dieses Zitat stammt, aber es beschreibt meine – und nicht nur meine – Stimmung zur Zeit ziemlich exakt.
Warum? Nun, so sah ein Blick in die Wattstraße in Potsdam Babelsberg bei mir um die Ecke gestern noch aus – eine (mal abgesehen von den unzähligen Halteverbotsschildern, die das Unheil schon ankündigten) idyllische Anwohnerstraße in einem mittlerweile zauberhaft sanierten Stadtteil Babelsbergs:
Und so sieht der traurige Blick heute, einen Tag und einen konzertierten Motorsägeneinsatz später aus:
Radikahl
Nicht, dass Sie denken, es handelte sich hier um kranke Bäume oder so etwas, die wegen der Gesundheit der vorbeigehenden Fußgänger vorsorglich gefällt werden mussten – nein, sie sind lediglich einer geplanten Straßenverbreiterung zum Opfer gefallen! Einer Straßenverbreiterung, die kein einziger der Anwohner will, geschweige denn braucht!
Und die ebenso überflüssig wie kontraproduktiv ist. Es handelt sich bei der Wattstraße nämlich nicht etwa um eine Durchgangsstraße, durch die der Verkehr besser fließen können muss – das tut er gegenwärtig völlig problemlos: Zurzeit können zwei sich begegnende Autos, auch Lieferwagen, problemlos aneinander vorbeifahren. Das ist nicht zuletzt auch dann ganz nützlich, wenn man seinen Wocheneinkauf für vier Personen aus dem in der zweiten Reihe geparkten Auto in die Wohnung tragen will.
Verschlimmbesserung
Nach der Straßenverbreiterung ist das dann groteskerweise nicht mehr möglich, weil die Autos danach nicht mehr mit zwei Rädern auf dem Randstreifen parken dürfen, sondern komplett auf der Straße stehen müssen. Wodurch diese dann eben effektiv schmaler wird als bisher. Womit ein mal eben für fünf Minuten in der zweiten Reihe parken in dieser nicht gerade mit Parkplätzen gesegneten Gegend unsäglicherweise komplett unmöglich gemacht wird.
Aber die Hunde freut’s
Als Ausgleich kommt zwischen Straße und Gehweg ein schmaler Wiesenstreifen, der, wie die Erfahrung aus ähnlich gedankenleer umgemodelten Straßen zeigt, immerhin von Hundebesitzern und deren Hunden freudig vereinnahmt wird – als fleißig genutztes, sozusagen städtisch sanktioniertes Hundeklo.
Weiter geht die wilde Fahrt
Und da in Potsdam ja das Geld, das man gar nicht hat, offenbar besonders locker sitzt, wird selbstverständlich auch meine Straße, die Siemensstraße, Planungsopfer:
Der gesamte alte Baumbestand, der in ein paar Wochen so wunderbar geblüht hätte (und auf eben dessen Blüte ich mich jedes Jahr schon ab Januar freue), wird in drei Tagen gnadenlos abgeholzt, links und rechts werden stattdessen extralange Hundeklos angelegt, anschließend passen keine zwei Autos mehr nebeneinander auf die Straße, das ganze kostet ein Heidengeld, die Bauzeit beträgt laut Ankündigung mindestens ein Jahr, und kein einziger verdammter Anwohner will diese über alle Maßen bescheuerte, gegen den Willen der Bürger von irgendwelchen der Realität offenbar völlig entrückten Schreibtischplanern (von denen kein einziger hier wohnt) beschlossene Maßnahme, die allen Ernstes auch noch mit irgendwelchen europäischen Vorgaben, an die man sich halten müsse, begründet wird.
Potsdam-Neukölln
Ich habe mir, als ich vor acht Jahren hierher gezogen bin, nicht nur Babelsberg, sondern gerade auch dieses Viertel wegen der gewachsenen und ursprünglichen Strukturen ausgewählt.
Hätte ich damals geahnt, dass einige der hier ansässigen Behörden ihren Sinn und Zweck offensichtlich hauptsächlich darin sehen, die Lebensqualität der – immerhin ihren Unterhalt zahlenden – Bürger einzuschränken (siehe auch Rettet Park Babelsberg), hätte ich eigentlich auch gleich nach Berlin-Neukölln ziehen können.
Wie gesagt, ich kann gar nicht so viel fressen …
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