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Greenpeace vs Apple

In den letzten Tagen liest man ja allenthalben (ich spare mir die Links), dass Apple auf Grund der Greenpeace-Kritik seine Umwelt-Politik geändert habe. Bei Greenpeace selbst kann man lesen: Today we…

Esse est percipi
May 4, 20074 min read1 read

n den letzten Tagen liest man ja allenthalben (ich spare mir die Links), dass Apple auf Grund der Greenpeace-Kritik seine Umwelt-Politik geändert habe. Bei Greenpeace selbst kann man lesen:

Today we saw something we’ve all been waiting for: the words „A Greener Apple“ on the front page of Apple’s site, with a message from Steve Jobs saying „Today we’re changing our policy.“</p>

Und nun noch Mal im Zusammenhang

Das hört sich natürlich so an, als ob Apple jetzt seine Politik bzw. Grundsätze bezüglich Recycling und Verwendung umweltschädlicher Stoffe geändert hätte. Nein, dem ist nicht so. Liest man den Satz „Today we’re changing our policy.“ nämlich im Zusammenhang, bekommt er einen völlig anderen Sinn:

It is generally not Apple’s policy to trumpet our plans for the future; we tend to talk about the things we have just accomplished. Unfortunately this policy has left our customers, shareholders, employees and the industry in the dark about Apple’s desires and plans to become greener. Our stakeholders deserve and expect more from us, and they’re right to do so. They want us to be a leader in this area, just as we are in the other areas of our business. So today we’re changing our policy.</p>

Now I’d like to tell you what we are doing to remove toxic chemicals from our new products, and to more aggressively recycle our old products.


Aha. Mit anderen Worten: Apple will gar nicht grüner werden, sondern nur die längst ins Auge gefassten Ziele (diese Seite gibt es seit mindestens 10 Jahren), grüner zu werden, jetzt auch mal kommunizieren.

Green Electronics Guide

So sehr ich die Arbeit von Greenpeace für unterstützenswert halte, so sehr ärgert mich dieser, mit Verlaub, dumme Green Electronics Guide, eine Art Rangliste umweltfreundlicher Firmen, in der Apple auf dem letzten Platz landet. Schaut man sich die einzelnen Bewertungskriterien mal etwas näher an, muss man erstaunt feststellen, dass 95% der Bewertungen rein auf irgendwelchen Absichtserklärungen der aufgeführten Firmen beruhen. Greenpeace schreibt ja sogar selbst:

Apple hasn’t gotten an actual green product to market, but no other electronics manufacture has either.</p>

Mit anderen Worten: Würde Apple einfach nur behaupten, spätestens 2010 haben wir alle Greenpeace-Ziele erreicht, lägen sie statt auf dem letzten wahrscheinlich auf dem ersten Platz.

Und warum Lenovo, die in diesem „Green Electronics Guide“ den Reigen der angeblich umweltfreundlichsten Firmen anführt, z. B. beim Punkt „Voluntary takeback“ ein „Good (3+“) erhält, während Apple mit einem „Partially Bad (1+)“ auskommen muss, ist mir ein absolutes Rätsel.

Lenovos Recycling-Politik

Schaut man sich nämlich die Environmental-Policy Seite von Lenovo mal an, findet man schnell heraus, dass man sich als privater Haushalt oder Kleinbetrieb ganz allein selbst um die Entsorgung von Lenovo-Geräten kümmern muss:

Abfall aus Elektro- und Elektronikgeräten mit der entsprechenden Markierung gemäß ElektroG ist getrennt vom Hausmüll zu entsorgen. Hierfür stehen die folgenden Möglichkeiten zur Entsorgung der Altgeräte zur Verfügung.</p>

WEEE aus privaten Haushalten und Kleinbetrieben
Private Nutzer (sowie Gewerbetreibende wie Handwerke, Ärzte, Anwälte als Nutzer) von Elektrischem und Elektronischem Equipment mit der entsprechenden WEEE Kennzeichnung dürfen diese Geräte nicht mit dem unsortierten Siedlungsabfall entsorgen, sondern müssen die Sammel- und Entsorgungsmöglichkeiten der öffentlich rechtlichen Entsorger nutzen. Einzelheiten zu den Entsorgungsmöglichkeiten erfahren Sie von Ihrer Kommune, aus dem Abfallkalender oder sonstigen einschlägigen Bekanntmachungen.


Es kann also tatsächlich passieren, dass der Elektronikschrott auf irgendeiner Halde in Asien oder Indien landet – etwas, was Greenpeace zu Recht brandmarkt.

Apples Recycling-Politik

Apple hingegen nennt auf seiner Recycling-Seite einen geprüften Betrieb, der Apple-Altgeräte von jedem Kunden kostenlos entgegennimmt und fachgerecht recycelt. Und den Schrott eben nicht nach Indien oder sonstwohin exportiert.

Falschbeurteilung?

Die Aussage von Greenpeace

Other manufacturers offer worldwide takeback and recycling. Apple should too!</p>

stimmt also ausgerechnet beim „Testsieger“ Lenovo (die Policies der anderen Firmen habe ich nicht gelesen) nicht – Lenovo nimmt seine Geräte von Privatleuten und Kleinbetrieben nicht zurück, sie werden mit der fachgerechten Entsorgung allein gelassen. Trotzdem hat Lenovo in diesem von Greenpeace selbst als sehr wichtig erachteten Punkt merkwürdigerweise die Bestnote erhalten.

Fazit

Warum sich Greenpeace diesen völlig unsubstantiierten Guide leistet, Absichtserklärungen ungeprüft als Bewertungsgrundlage hernimmt und sich dabei so sehr auf Apple eingeschossen hat, hat sich mir bisher noch nicht erschlossen. Ärgerlich bleibt es trotzdem.

Nachtrag: Bei EPEAT, Green Electronics Made Easy kommt Apple weit besser weg: Alle getesteten Apple-Produkte erhalten die Wertung „Silver“ – die höchste bisher vergebene Bewertung, während Lenovo-Produkte daneben immerhin auch zwei Mal eine schlechtere, nämlich „Bronze“ erhalten.

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