Die Väter des GUI
Letzte Woche starb Jef Raskin, von 1978 – 1982 Mitarbeiter Apples. Ohne seine zweifellos vorhandenen Verdienste um GUI Theorien schmälern zu wollen – der „Vater des GUI“ ist er nicht, wie ein…
etzte Woche starb Jef Raskin, von 1978 – 1982 Mitarbeiter Apples. Ohne seine zweifellos vorhandenen Verdienste um GUI Theorien schmälern zu wollen – der „Vater des GUI“ ist er nicht, wie ein enthusiastischer Autor der MacGuardians glaubt.
Die Ursprünge
Wollte man überhaupt ein paar Väter des GUI benennen, wäre der erste ganz sicher Vannevar Bush, der 1945 in seinem Essay „As We May Think“ ein Konzept namens Memex vorstellte.
Seine theoretischen HCI Überlegungen (kurz gesagt ging es darum, dass ein Benutzer mit einem Lichtgriffel auf einem Bildschirm die Information auswählt, die detailliert angezeigt werden soll) wurden 1962 von Ivan Sutherland, einem MIT Mitarbeiter, mit dem Programm Sketchpad (nein, nicht SketchPad, damals waren Binnenversalien noch nicht modern) schließlich in die Realität umgesetzt: Erstmals konnte man mittels Lichtgriffel direkt auf dem Bildschirm Objekte zeichnen und verändern – das WYSIWYG-Prinzip, das heutzutage Grundlage jedes Zeichen- und Layoutprogramms ist, war geboren.
Die erste Maus
Zeitgleich mit Sutherland erfand Douglas Engelbart in der Stanford University ein völlig neuartiges Eingabegerät, den „X-Y Position Indicator”, heute auch bekannt als Maus.
In der 70er Jahren entwickelten Forscher, darunter Bob Taylor und Alan Kay, im Xerox PARC den ersten Prototypen eines Personal Computers mit einer grafischen Benutzeroberfläche, genannt Xerox Star, basierend auf den Entwicklungen Sutherlands und Engelbarts.
Apple
Diese Idee eines GUI wurde von Steve Jobs übernommen – die Geschichte dürfte hinreichend bekannt sein: Anlässlich einer Betriebsbesichtigung war Jobs so begeistert von Xerox Star, dass er die Apple Computer damit ausstatten wollte. Apple kaufte Xerox Aktien und bekam im Rahmen einer Gegenleistung ein paar Mitarbeiter Xerox’, um ein grafisches Betriebssystem zu entwickeln.
Und jetzt kommt endlich Jef Raskin ins Spiel: ursprünglich nur angeheuert, um Apples DOS Dokumentation zu schreiben, gefiel seine Arbeit so gut, dass er 1978 fest angestellt wurde. 1979 beschrieb er seine Vision eines leicht benutzbaren, sehr günstigen Computers, den er nach dem Namen seiner Lieblings-Apfelsorte benannte: Macintosh. Er durfte ein Team zusammen stellen, darunter Bill Atkinson, der später Hypercard entwickeln sollte, und das Macintosh Projekt starten. Allerdings war er von Anfang an strikt dagegen, eine Maus als Eingabegerät zu verwenden, er bestand auf Meta-Tasten. Außerdem wollte er nicht den Motorola 68000 Prozessor, sondern aus Kostengründen den technologisch unterlegenen 6809 verwenden. Als selbst sein eigenes Team sich deshalb gegen ihn wandte, übernahm Steve Jobs 1981 die Leitung des Projekts. Raskin verließ das Team, und drei Jahre später erschien der erste Macintosh.
Vater des Macintosh?
Das erklärt auch gleich, warum auch der andere Mythos um Jef Raskin, er sei der „Vater des Macintosh“, nicht stimmt. Andy Hertzfeld, als Mitarbeiter des Macintosh Teams einer, der es wissen muss, schreibt in seinem Artikel The Father Of The Macintosh über den Beitrag Raskins zum Apple Macintosh:
He became increasingly alienated from the team, eventually leaving entirely in the summer of 1981, when we were still just getting started, and the final product utilitized very few of the ideas in the Book of Macintosh. In fact, if the name of the project had changed after Steve took over in January 1981, (…) there wouldn’t be much reason to correlate it with his ideas at all.
Aber wie das so ist mit modernen Mythen: Einmal drin, werden sie meist so liebevoll gepflegt, dass man sie nur äußerst schwer wieder heraus bekommt aus den Köpfen …
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