Macht es einfach! Just do it!
...statt zu reden
oran ich, ohne lange überlegen zu müssen, dachte, als ich einen aktuellen Beitrag der @taz.de zur Abhängigkeit von großen, vorwiegend us-amerikanischen, Plattformen las. Bitte nicht schon wieder. Déjà-Vu. Wir reden zu viel, statt zu machen.
Über einen Mangel an Alternativen zu den Angeboten großer Technikkonzerne kann man sich nun wirklich nicht beklagen und das ist nicht erst seit heute so. Es gibt verschiedene Möglichkeiten sich im Netz über solche zu informieren. Unter anderem auf den folgenden Seiten.
Es mag naiv rüberkommen ist aber eine einfache Sache. Eine Plattform seines Vertrauen raussuchen, dort ein BenutzerInnenkonto einrichten und das entsprechende Social Media Account nutzen. Punkt. Für mich persönlich gibt es im Moment lediglich zwei Punkte wo ich verstehe, wenn jemand aus diesen Gründen nicht wechselt. Die Sprache.
- Richtig ist, dass es verschiedene Seiten gibt die über Alternativen zu den Diensten von Meta, Google oder X informieren. Auch über solche aus Europa. Wenn man allerdings kein Englisch versteht, weil es die Informationen in keinen anderen europäischen Sprachen gibt, ist man aufgeschmissen.
- Oder die Informationen gibt es wie bei @bsky.app oder @mu.social zwar auf Deutsch, zum Beispiel, allerdings nicht vollständig.
Auf der einen Seite habe ich Verständnis. Manche Dinge brauchen ihre Zeit und es muss jemand machen. Auf der anderen Seite fällt es mir schwer dieses aufzubringen. Wenn man nicht die entsprechenden Kapazitäten hat für vor allem das Kleingedruckte, sprich die AGB zu übersetzen und die Benutzungsregeln für die Plattform, also wesentliche, rechtlich relevante Informationen, ist das Ok. Dann sollte man allerdings Prioritäten setzen und das entsprechend kommunizieren. Für mich persönlich ist das der entscheidende Schlüssel, ob Atmosphere oder Fediverse Meta, Google oder X die Stirn bieten oder die Alternativen in der Versenkung und irgendwann ganz von der Bildfläche verschwinden.
Machen! Statt reden!
Ich war und bin in dieser Hinsicht der Meinung das wir zu viel Energie für Scheindebatten verschwenden. Für Dinge die wir, in Europa, sowieso nicht geändert kriegen. Forderungen, die Macht großer, zumeist us-amerikanischer Plattformbetreiber, zu beschränken und sie zu vergesellschaften, in öffentliche Kontrolle zu überführen würde ich zustimmen. Halte das aber für Zeitverschwendung. Bei allen bisherigen US-Regierungen, insofern nicht nur unter der amtierenden, ging es am Ende des Tages vor allem um eins - die Interessen der USA an erster Stelle. Auch die wirtschaftlichen. Und in welche Richtung es unter einer von Donald Trump geführten Regierung geht war bereits in seiner ersten Amtszeit absehbar.
Die Atmosphere ist für mich das beste Beispiel um zu veranschaulichen worauf ich hinaus will. Viele Apps die aus der Community für die Community entwickelt wurden. Davon leider zu wenige aus Europa, aus der Europäischen Union. Das kenne ich aus meiner Zeit bei der NATO, wo ich unter anderem mit KameradInnen und zivilen Mitarbeitenden aus den Vereinigten Staaten zu tun hatte. Einmal bekamen wir eine Anforderung, wo wir meinem Verständnis nach erst eine Bestellung auf dem Dienstweg hätten einreichen und die Rückmeldung abwarten müssen. Wogegen mein amerikanischer Kamerad für wenige Minuten weg war, mit einem Scheck wiederkam und meinte, lass uns zu Stapels shoppen fahren. Gesagt. Getan.
Statt zu reden und weiter Zeit zu verschwenden sollten wir europäische Apps für die Atmosphere entwickeln, komplett neue, die bei Android wie iOS genutzt werden können oder hingehen und die EntwicklerInnen bestehender unterstützen. Hinsichtlich der Übersetzung in die wichtigsten europäischen Sprachen, für den Anfang zumindest.
Hört auf zu jammern.
Das geht mir auf den Sack. Das hatte ich in der Vergangenheit, mit Personen die ich regelmäßig traf, treffe und die bei Facebook und/oder Instagram sind. Es war eigentlich immer das gleiche. Man echauffierte sich darüber warum Meta welche Entscheidung traf und man diese nicht nachvollziehen konnte. Bei den BenutzerInnenkonten die man auch dann lesen kann wenn man selbst nicht bei Meta ist, hat sich eigentlich nichts geändert. Muss ich natürlich so respektieren wenn Mensch sich entscheidet dort zu bleiben. Dann müssen sie allerdings auch damit leben können wenn ich sie bitte davon abzusehen mir deswegen auf den Sack zu gehen. Selbst schuld. Wer nicht wechseln und verstehen will. Klingt zwar hart. Ist aber so.
Ist das gleiche wie mit E-Mail. Viele Beiträge, die ich auf verschiedenen Sozialen Netzwerken las, viele Worte, an die ich mich aus persönlichen Gesprächen erinnere, wo Menschen ihr Leid klagten welchen Müll sie in ihren E-Mail-Postfächern haben. Probleme die ich seit Jahren nicht habe. Ich habe mein E-Mail-Postfach bei einem europäischen Anbieter. Ich überlege mir sehr genau wer meine E-Mail-Adresse bekommt. Wer sie nicht braucht, kriegt sie nicht. Insbesondere Menschen, auch solche die ich kenne, die zu lasch mit Datenschutz umgehen und die erwarten das man sich ihnen gegenüber rechtfertigt warum einem Datenschutz so wichtig ist, bekommen sie nicht.
Für mich ist es nicht glaubhaft, wenn man sich nicht entscheidet was man will, was einem wichtig ist und wenn man dann nicht konsequent bleibt.
Ich war in der Vergangenheit in einem Verein, wo ich Gründungsmitglied war und aus dem ich vor eineinhalb Jahren austrat. Einzelne Mitglieder hatten ein Problem damit, dass ich sorgsam in meiner Entscheidung bin wem ich welche Kontaktdaten von mir gebe. Ich lernte das sie nachtragend sind und sich nicht besserten. Einmal sollten wir bei einem unserer Plena unsere Smartphones ausschalten, diese in eine Box legen, damit sie im Nebenraum aufbewahrt werden können. Für mich hat es einen sehr faden Beigeschmack wenn man zugleich in einem Politikverteiler auf Telegram ist oder gruppenintern Signal nutzt oder E-Mail-Verteiler offen schickt, so das alle im Verteiler die E-Mail-Adressen von allen lesen können.
Grundsatzdiskussionen? Ohne mich.
Das, wenn man mit mehreren Menschen bei einem Projekt, in einer Gruppe zusammenarbeitet, sich auf einen Kanal verständigt über den man kommuniziert ist für mich nachvollziehbar. Wenn man aber vor vollendete Tatsachen gesetzt wird, oder sich rechtfertigen muss, bin ich raus. Mein Engagement. Meine Zeit. Meine Entscheidung. Wer damit nicht klarkommt, nicht mein Problem.
Mit letzterem meine ich wenn zum Beispiel wo Arbeitsgruppen gebildet werden und erwartet wird das alle bei Signal sind, weil alle Signal nutzen und es noch nicht mal eine Diskussion darüber gibt welche Alternativen es denn gibt mit denen man leben könnte.
Ein Positivbeispiel an anderer Stelle. Ein anderer Verein wo ich Mitglied bin und eine Aufgabe übernahm. WhatsApp, darüber kommuniziert man, war für mich tabu, teilte ich mit, nannte mögliche Alternativen. Kommunikation mit meinem Ansprechpartner läuft dort über Threema.
Weniger toxisch?
Ich weiß natürlich nicht wie die @taz.de es betreffend folgendem Satz sieht, obwohl das offensichtlich ist.
Selbst junge Menschen, die in einer Instagram- und Tiktok-Welt sozialisiert wurden, werden schnell die Vorzüge einer entschleunigten, weniger toxischen Kommunikationsarchitektur im Digitalen erkennen.
Ich habe dazu eine klare Meinung. Mir ist Stand heute kein Soziales Netzwerk, keine Plattform bekannt die nicht toxisch ist. Für mich ist es überall das gleiche. Mal mehr. Mal weniger. In der Atmosphere, auf Bluesky ist es meiner Wahrnehmung nach nicht besser. Es gibt berechtigte Kritik an den Plattformbetreibern, gleich welche, die ich teile. Meistens liegt es aber an den Nutzenden selbst. Wenn sie nicht verstehen können oder wollen dass das Netz kein rechtsfreier Raum ist, kann man nicht die Plattformbetreiber dafür verantwortlich machen.
Über die Jahre las ich in verschiedenen Social Media Kanälen Beiträge und Reaktionen wo ich mich fragte, wenn die Menschen endlich erwachsen werden. Wenn einem nicht passt was jemand anderes postet, folgt man ihm nicht. So einfach ist das. Und bevor man irgendwelchen geistigen Müll postet, als Antwort, als Kommentar, weil man nicht damit klarkommt das die InhaberInnen der Accounts in ihrer Entscheidung was sie posten und was nicht autonom sind, sollte man es lieber dabei belassen.
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