Little Homes in Zollstock
Bezugnehmend auf einen Beitrag des Kölner Stadt-Anzeiger
en veröffentlichten Artikel des Blatt könnt ihr unter https://www.ksta.de/koeln/rodenkirchen/zollstock/koeln-vier-little-homes-stehen-am-kalscheurer-weiher-1394377 lesen. Unter https://cryptpad.fr/file/#/2/file/wx5FNLiy7ZeVeOfZxlXKFjcd/ könnt ihr euch eine Mitteilung der Verwaltung im hiesigen Sozialausschuss anschauen. Diese ist öffentlich im städtischen Ratsinformationssystem einsehbar. Die farblichen Markierungen fügte ich nachträglich selbst hinzu.
Was ich dem Kölner Stadt-Anzeiger schrieb und wo ich natürlich keinen Einfluss darauf habe dass das abgedruckt wird?
Statt solche Angebote, wie zum Beispiel die Little Homes, zu kritisieren, sollte die Stadt Köln lieber schweigen, sich selbst reflektieren und fragen warum sie es im Gegensatz zu Berlin (dort startete die Kältehilfe am 1. Oktober) und Hamburg (dort startet das Winternotprogramm am 1. November) nicht hinbekommt frühzeitig konkrete Informationen zu veröffentlichen, wann die Winterhilfe 2026/27 startet und an welchem neuen Standort sie sich befindet.
Die Streetworkerin der OASE sprach an was das Entscheidende ist. „Was die Betroffenen selbst wollen“. Das Bewusstsein hierfür fehlt. In der Gesellschaft. In den Medien. In der städtischen Verwaltung. In den politischen Gremien. Denn auch das ist laut Sam Tsemberis (vgl. https://youtu.be/NM6MkGocV7A) Housing First. Was die Menschen wollen und nicht was das System ihnen vorschreibt. Wenn sie eine Wohnung wollen, sollen sie eine Wohnung bekommen. Wenn sie etwas anderes wollen, Little Homes zum Beispiel, etwas anderes.
Das Problem sind nicht solche Angebote wie die Little Homes. Sie liegen an anderer Stelle. In den politischen Gremien (Bezirksvertretungen, Sozialausschuss). Dort redet man über die Menschen (Obdach- und Wohnungslose), statt mit ihnen. Beziehungsweise die bewusste Missachtung der nordrhein-westfälischen Gemeindeordnung (§ 58 Absatz 3). Nach der Vertreter derjenigen Bevölkerungsgruppen, die von ihrer Entscheidung vorwiegend betroffen werden zu den Beratungen der Ausschüsse zugezogen werden können.
Darüber hinaus sollte die Stadt Köln, statt den Verein Little Homes für dessen Angebot zu kritisieren, auch deshalb schweigen, weil ihr seit Jahren berechtigte und konkrete Gründe bekannt sind, die auch den Ratsfraktionen vorliegen, wegen derer Menschen die auf der Straße leben die Unterstützungsangebote zurecht nicht annehmen und man, einschließlich der politischen Gremien, aus diesen Erkenntnissen nichts machte.
In der Sitzung des Sozialausschuss am 5. September 2019 legte die Verwaltung eine Mitteilung (Berichterstattung über die Ergebnisse der mit wohnungslosen Menschen geführten Interviews durch die Streetworker/Innen des Benedikt Labre e. V. und der Diakonie Michaelshoven e. V. (Vorlagen-Nummer 2797/2019 vom 22.08.2019)) vor. Was haben das Dezernat von Dr. Rau und der Rat in den vergangenen sieben Jahren daraus gemacht? Offensichtlich nichts.
Von 54 interviewten Menschen wünschten sich 28 eigenen Wohnraum und 13 alternative Wohnmöglichkeiten (Wohnwagen, Hausboot, Zelt, Bauernhof). Den Eindruck, dass die Befragten konkret und aktiv von der städtischen Verwaltung und der Kommunalpolitik unterstützt wurden, beziehungsweise man deren tatsächlichen Bedarfe und Wünsche anerkennt, habe ich nicht. Dem Bedürfnis der Menschen nach einem Rückzugsort der Privatsphäre, Schutz und Sicherheit bietet trugen die Verwaltung und der Rat bisher nicht Rechnung. Seit sieben Jahren kann man sich nicht rausreden nicht gewusst zu haben das die Menschen in Einzelzimmern untergebracht werden wollen, dass sie Einzelzimmer mit der Unterbringungsmöglichkeit für ihre Haustiere, Hunden fordern, dass Unterbringungsmöglichkeiten für Paare und Familien gewünscht werden, dass die Besuchsregelungen offener gestaltet werden sollen, dass die Taschengeldregelung abgeschafft werden sollen. Man hat es seit sieben Jahren schwarz auf weiß und man machte nichts daraus. Aber weiter nach unten treten und bewusst die nordrhein-westfälische Gemeindeordnung und das Grundgesetz missachten, das hat man in Köln voll drauf.
Laut der Mitteilung im Sozialausschuss wollte die Verwaltung gemeinsam mit den Trägern der Wohnungslosenhilfe prüfen inwieweit die Zugangshürden abgesenkt und damit verbunden die Akzeptanz der Angebote gestärkt werden kann. Offensichtlich ohne Ergebnis.
Runtergebrochen?
Mit der Kritik an den Little Homes lenkt die Stadt Köln von ihrem eigenen Versagen ab. Statt sich öffentlich zu Rot-Rot-Grün in Berlin zu äußern sollte der Oberbürgermeister schweigen und erst mal die eigene Verwaltung in den Griff kriegen. Dafür sorgen, dass (was Sam Tsemberis im verlinkten Video der FEANTSA anspricht), im Vordergrund steht was die Menschen, also die Obdach- und Wohnungslosen wollen und nicht was das System ihnen vorschreibt.
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