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Wissensarbeit, seit KI-Agenten mitarbeiten

ab schon immer virtuelle Notizbücher befüllt. Mit Gedanken und Ideen. Im Meeting. Auf dem Balkon. Irgendwann mal Evernote, dann Notion, mittlerweile Obsidian. Hab immer alleine darin gearbeitet. Vielleicht mal einzelne Menschen dazu geholt. Nun haben mehrere KI-Agenten ständig Zugriff. Arbeiten mit. Das hilft. Und manchmal nicht. Mein aktuelles System nimmt mir Arbeit ab. Und es gibt mir neue. Weniger Suchen und Sortieren. Mehr Kontextpflege, Review und Entscheidungen. Ich bin schneller beim ersten Schritt. Fertig bin ich deshalb nicht früher.

_Zuletzt aktualisiert im Juli 2026._

## Wie hat sich meine Wissensarbeit verändert?

Ende 2022 fing ich an, mit Chatbots zu schreiben. Frage. Antwort. Jedes Gespräch ein Neuanfang. Kontext mitteilen und Rahmen definieren. LinkedIn überflutet mit „So promptest du richtig“. Dann kamen Erinnerungen und Projekte. Das Wissen wurde weitergereicht. War aber nicht für andere Anwendungen zugänglich. Bis die Agenten kamen. Sie arbeiten auf dem Rechner oder in einem Repository. Können Erkenntnisse speichern. Und eigenständig Aufgaben erledigen. Meine Wissensarbeit veränderte sich radikal. Ich finde Dinge schneller, mache weniger Fleißarbeit. Das System findet neue Verknüpfungen, Themen und Aufgaben. Und es möchte dafür im Gegenzug gepflegt werden. Die ständige Frage: Arbeite ich nun mehr? Oder weniger? Oder anders?

Vor einem Meeting öffne ich keine leere Notiz mehr. Mein System legt mir die letzten Wochen daneben. Offene Aufgaben. Gedanken aus Artikeln, die plötzlich zum Thema passen. Nach dem Gespräch halte ich fest, was entschieden wurde. Es schlägt Folgeaufgaben vor, recherchiert offene Fragen und findet Verbindungen zu alten Notizen. Nicht alles davon ist gut. Aber ich fange nicht bei Null an.

Springe dennoch viel zwischen unterschiedlichen Aufgaben. Muss entscheiden, was dokumentiert werden soll. Und was das System nur aufbläht. Manchmal Manager. Manchmal Hausmeister. Einzelne Aufgaben sind schnell erledigt. Die Kombination kann ganz schön ermüdend sein. Passe ständig etwas an. Das fühlt sich produktiv an. Ist es aber nicht immer. Lerne ich dabei etwas und knüpfe ich neue Verknüpfungen, dann war's das wert. Pflege ich nur Felder oder vereinheitliche Stile, dann ist es eine gut getarnte Form von Aufschieben.

## Wie sieht mein aktuelles Grundsetup aus?

Mein Vault liegt lokal, wird mit Obsidian Sync mobil zugänglich gemacht und regelmäßig verschlüsselt gesichert.

Mein Vault hat folgende Struktur:

* Akteure: Notizen zu Organisationen und Personen. * Dateien: Dokumente und Anhänge. * Memory: Session-Logs und abgeleitete Regeln. * MOC: Strukturnotizen zu mir wichtigen Themen. * Notizen: Eigene Gedanken ohne Projektbezug. * Projekte: Notizen, Konzepte und Meeting-Transkripte. * Referenzen: Externe Inhalte mit Zusammenfassung. * Tagebuch: Jeden Tag eine Notiz.

Mein System ist an einen Zettelkasten angelehnt. Externe Inhalte werden als Referenzen inkl. Quelle, Tags, Zusammenfassung gespeichert. Eigene Notizen sind davon losgelöst. In Knotendateien (MOC) werden Referenzen und Notizen zu mir wichtigen Themen zusammengeführt. Verwandte oder sich widersprechende Notizen sind miteinander verlinkt. Dies passiert teilweise manuell, teilweise automatisch.

Die gemeinsame Schicht besteht aus drei Dokumenten: `AGENTS.md` mit Arbeitsregeln für den Vault, `ME.md` mit Wissen über mich und `SKILLS.md` mit Workflows und installierten Tools. So etwas wie eine Verfassung. Jeder Agent startet mit derselben Grundlage.

Die Schwierigkeit: Context Density. Die richtige Menge relevanter, strukturierter Information pro Aufgabe. Zu dünn, und der Agent erfindet Details, um die Lücken zu füllen. Zu dicht, und er ertrinkt in Kontext, der gar nicht gebraucht wird. Diese drei Dateien schlank zu halten, ist selbst zur Pflegeaufgabe geworden. Mal von Hand. Mal automatisch.

Am Ende einer Session landet zunächst ein Hinweis in einer Queue. Daraus entsteht im Dialog ein zusammengefasster Session-Log. So geht nicht verloren, was gemacht wurde. Zentrale Erkenntnisse, Regeln und Hypothesen landen zusätzlich in einer `MEMORY.md`. Die muss regelmäßig aufgeräumt werden. Hooks erinnern mich daran. Ich entscheide bewusst, was bleibt.

Ich arbeite in einer IDE (momentan Antigravity IDE), nicht in Obsidian selbst. Kann dort Dateien bearbeiten und gleichzeitig über das Terminal Agenten koordinieren. Änderungsvorschläge kann ich so manuell bestätigen und direkt anpassen. Im Alltag nutze ich Claude Code und Codex. Beide teilen sich Vault und Memory. Über OpenCode kann ich Open Source Modelle ausprobieren. Oder lokale Modelle (wie Gemma und Qwen) verwenden – z.B. bei vertraulichen Daten. Dafür läuft ein MLX-Server im Hintergrund; Msty Studio ist eine mögliche Oberfläche dafür. Warum unterschiedliche Agenten? Weil jede Woche neue Updates kommen und ich mich nicht festlegen möchte.

Parallel spiele ich gerade mit Hermes Agent. Dieser läuft lokal auf einem Mac Mini, hat Zugriff auf den Vault über Syncthing und kann ebenfalls Claude Code oder Codex Session starten. Ich nutze dieses Setup, um von unterwegs Aufgaben anzustoßen. Außerdem kümmert sich der Hermes Agent um regelmäßige Aufgaben. Mich stört gerade, wie viel Arbeit ich mit Updates und Konfiguration vergeude. Gleichzeitig ermöglichen Claude und Codex mittlerweile den Zugriff per Smartphone.

Allgemein verfolge ich den Ansatz, dass der Agent liest und Vorschläge macht. Schreiben darf er erst, wenn ich es ausdrücklich freigebe. Deshalb nutze ich lieber eine IDE als die Claude- oder Codex-App. Ich sehe gerne, was passiert und treffe die letzte Entscheidung. Das kostet aber Zeit.

Neben den Systembefehlen zum Finden von Dokumenten, experimentiere ich aktuell mit QMD, einem lokalen Hybrid-Suchsystem (BM25 + Semantische Suche + Reranking) für den ganzen Vault.

Andere Tools, die ich sowieso nutze, binde ich dort ein, wo sie Kontext liefern:

* Readwise bringt Artikel, Highlights und Podcast-Transkripte in den Vault. Für aktuelle Recherche nutze ich Perplexity, Tavily oder Exa. * TickTick bleibt meine Aufgabenverwaltung. Agenten dürfen Aufgaben vorschlagen, nicht einfach anlegen. Über Google Workspace bereiten sie Mails und Dokumente vor. Alles über gws. * Parqet hilft beim Blick aufs Depot. Der Agent gleicht Transaktionen mit meiner Strategie ab und gibt mir Hinweise. * Handy und MacWhisper machen Sprache zu Material, mit dem ich weiterarbeiten kann.

## Welche Skills und Commands nutze ich?

Mit der Zeit haben sich Aufgaben regelmäßig wiederholt. Vier Ebenen, je nachdem wer entscheidet: Commands rufe ich bewusst per Slash auf. Bei Skills entscheidet der Agent, mitten in der Arbeit. Hooks laufen automatisch bei bestimmten Ereignissen — z.B. am Ende einer Session. Automatisierungen laufen nach Zeitplan, unabhängig von einer laufenden Session, wie der wöchentliche Sync mit Readwise.

Die klassische Session besteht aus drei Befehlen:

* `/resume` – lädt relevante Notizen und die letzten Sessions zu einem Thema * `/compress` – speichert die Session * `/preserve` – überführt dauerhafte Erkenntnisse ins Memory

Häufig nutze ich:

* `/weekly` – Wochenabschluss aus Tagebuch, Aufgaben und Projekt-Logbüchern * `/prep [Person]` – Meeting-Brief aus Akteur-Notiz, Logbuch und offenen Punkten * `/handoff` – Übergabe der aktuellen Aufgabe an einen anderen Agenten, um sie dort fortzusetzen. Passiert immer dann, wenn es spezielle Aufgaben für geeignete Modelle sind. Oder meine Quote überschritten wurde. * `/challenge` – Pausiert die Arbeit für eine kritische Zweitmeinung. Der Agent fasst nur den nötigen Arbeitsstand in einem kurzen Brief zusammen. Danach vergleichen wir Konsens, Widersprüche und blinde Flecken. Das Modell wähle ich je nach Bedarf. Bei sensiblen Inhalten bleibe ich lokal oder anonymisiere den Brief. * `/reflect` – destilliert wiederkehrende Muster aus mehreren Wochen Session-Logs und geht mit mir in den Dialog, wie sich meine Arbeit verändert

Dazu kommen spezialisiertere Skills, die seltener, aber gezielt laufen: Ein systemisch-psychologischer Berater greift ein, wenn ich über eine Situation nachdenke oder feststecke — mit zirkulären Fragen statt fertigem Rat. Ein Meeting-Summarizer hilft mir, sobald ein Transkript vorliegt: Er fasst zusammen, verlinkt Akteure und schlägt Folgeaufgaben vor. Erst nach meinem Okay landen sie in TickTick. Und `/drift` prüft, ob ich umsetze, was ich mir vornehme.

## Was stört mich noch? Was fehlt?

Alleine beim Aufschreiben merke ich, wie komplex das System mittlerweile ist. Ich verbringe manchmal mehr Zeit mit Setup und Konfiguration als mit Wissensarbeit.

Manchmal frage ich mich, ob ich eine zweite Wikipedia aufbaue. Nur kleiner und schneller veraltet. Deshalb behandle ich das Vault inzwischen eher als LLM-Wiki: Quellen bleiben Quellen. Arbeitsnotizen und Synthesen durchlaufen Phasen. Ein Lint prüft Quellenbindung, Verlinkungen und offene Fragen. Das schützt nicht vor Fehlern. Aber es macht sichtbarer, worauf eine Antwort baut. Ein `/refresh`-Command prüft alle paar Wochen auf tote Links, Widersprüche und veraltete Pfade. Zwischendurch verlasse ich mich trotzdem drauf, dass es stimmt.

Der Hermes Agent funktioniert. Ist aber fast schon überdimensioniert. Claude Code Remote Control kann Ähnliches. Und kann eine Aufgabe nicht einfach auch warten?

Manche Commands und Skills existieren, werden aber kaum genutzt. Klang am Anfang sinnvoll. Hat sich dann aber nie bewährt. Das ist okay.

Was sich wirklich verändert hat: Ich bin schneller beim ersten Schritt geworden. Beschäftigt bin ich trotzdem. Nur mit anderen Dingen. Kontextpflege, Entscheidung, Review. Dieses System macht Spaß. Weniger zu tun hab ich davon nicht.

## Weiterführende Links

* Agent-native Architectures (Dan Shipper) * Agent-native Product Management (Marcus Moretti) * Brain Dead (Igor Schwarzmann) * Claude Code (Johannes Kleske) * Claude Code and Obsidian Now Runs My Entire Day (Nori Nishigaya) * Codex for Knowledge Work (Katie Parrott) * Compound Engineering (Kieran Klaassen) * Context Engineering (Philipp Schmid) * CPR for Claude Code (Elia Alberti) * Documentation as Infrastructure (Johannes Kleske) * Effective Context Engineering for AI Agents (Anthropic) * How I Use Every Claude Code Feature (Shrivu Shankar) * How I Use Obsidian + Claude Code to Run My Life (Vin Verma) * Loop Engineering (Addy Osmani) * Obsidian + Claude Code is Beyond Useful - It's Transformative (Nori Nishigaya ) * PRD-Driven Context Engineering (Matt Gierhart) * Strategy as Protocol (Igor Schwarzmann) * The Agent That Saved My Brain (Austin Tedesco) * The Custodian Shift (Igor Schwarzmann) * The End of Organizing (Dan Shipper)

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