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Queeres Leben: Können wir mal bitte abrüsten?

Wie kommt eine "Hete" dazu, sich eine Meinung über queeres Leben bilden zu wollen? Nach dem CSD in Berlin hört man viele Wortmeldungen dazu. Jetzt maße ich mir nicht an, in irgendeiner Weise etwas darüber zu wissen, wie es ist, schwul, lesbisch, trans oder, oder, oder zu sein. Wer diesen Blog kennt, weiß, dass ich...

Henning Uhle
Jul 27, 20264 min read

ie kommt eine „Hete“ dazu, sich eine Meinung über queeres Leben bilden zu wollen? Nach dem CSD in Berlin hört man viele Wortmeldungen dazu. Jetzt maße ich mir nicht an, in irgendeiner Weise etwas darüber zu wissen, wie es ist, schwul, lesbisch, trans oder, oder, oder zu sein. Wer diesen Blog kennt, weiß, dass ich ein stinknormaler Typ bin, der in einer ziemlich stinknormalen Ehe mit einer stinknormalen Frau lebt. Deshalb will ich nicht über „Hach, so und so ist es“ schwafeln. Sondern mehr das drumherum.

Wovon ich alles so nichts halte

Wie gesagt, ich kann mir kein Urteil darüber erlauben, wie queeres Leben so ist. Und ich möchte darum bitten, davon Abstand zu nehmen, mir den Mund verbieten zu wollen. Das ist nämlich eine der vielen Dinge, von denen ich in dem Komplex nichts halte. Ebenso wenig wie das Gebrabbel, dass ich „als Hete“ eh stinklangweilig und weniger wert sei. Oder dass „die Homos“ alls nicht ganz dicht seien. Das stimmt alles nicht, darum spart es euch.

Ich halte auch nichts davon, wenn jemand über Trans-Menschen geifert, dass die sich heute als Salatgurke und morgen als Lampenschirm identifizieren. Lasst diesen Schwachsinn. Oder sowas: „Die Lesben wurden nur noch nicht richtig gebumst“ bzw. „Die Schwulen haben noch nie ne richtige Frau gevögelt“. Unterlasst sowas einfach. Gesteht es jedem bitte einfach zu, so zu leben, dass die jeweilige Person glücklich und zufrieden ist. Können wir uns darauf einigen?

Ich halte nichts von solchen Attacken. Und gewalttätige Attacken sind das Allerletzte. In diesem Sinne: Können wir bitte mal alle abrüsten? Ich halte nämlich auch nichts davon, der Bundestagspräsidentin wegen der Weigerung, eine Flagge zu hissen, Protofaschismus zu unterstellen. Und wieso kommt ihr auf die Idee, Friedrich Merz ein Feigenblatt zu attestieren, weil er am Schauplatz des Anschlags aufgekreuzt ist und sichtlich angefasst ein paar durchaus wichtige Worte gesagt hat?

Wir können sicherlich über die Politik schimpfen und krakeelen. Dafür bin ich auch immer gern zu haben. Dass Politiker aber als Faschisten bezeichnet werden, ist ein gewaltiges Maß zu viel. Da gibt es nur eine Partei, bei der ich das durchgehen lasse. Alle anderen sind es halt einfach nicht. Alle respektieren queeres Leben, ob sie damit etwas anfangen können oder nicht. Deshalb halte ich von all diesen verbalen Grabenkämpfen überhaupt nichts. Und das werde ich nicht weiter rechtfertigen. Punkt.

Angriff auf queeres Leben

Ihr habt es ja sicherlich mitbekommen, dass ein deutscher Staatsbürger mit libanesischen Wurzeln, der gewaltbereit war und als Sympathisant des Islamischen Staates bekannt war, einen Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin verübt hatte. Der Täter ist mittlerweile tot. Er hatte ein längeres Vorstrafen-Register und wurde beobachtet. Dennoch konnte er mit einem Kleinbus in die Parade fahren und mit einer Machete auf Teilnehmende losgehen.

Ich bin ja der Meinung, dass man Dinge auch zu Tode ermitteln kann. Warum konnte ihm nicht beigekommen werden? Wie konnte das Alles passieren? Warum wurden Strafen ausgesetzt, sodass er immer weitermachen konnte? Und bevor die rechtsradikalen Sprücheklopfer irgendwas von sich geben: Islamismus wie in dem Fall ist im politischen Spektrum etwa da, wo auch die Rechtsradikalen sitzen. Also zumindest sehe ich das so, und ich mache es mir bewusst einfach.

Ich bin so aufgewachsen, dass idealerweise jedem Menschen die Möglichkeit gegeben werden sollte, im Rahmen der Gesetze nach der eigenen Fasson zu leben. Queeres Leben hat nicht immer die Entfaltungsmöglichkeit. Und durch so einen Anschlag wird einem das immer wieder bewusst. Ich will gar nichts über die Beweggründe des Täters wissen. Es ging darum, das Leben anderer Menschen einzuschränken bzw. gar auszulöschen. Und mir fällt es schwer, hier fortzufahren.

Ich kenne Menschen mit allerlei Wurzeln, Haltungen, Orientierungen, biologischen Eigenheiten etc. Ist irgendein Mensch weniger wert, weil dieser Mensch nicht ins „Schema F“ passt? Das läuft meinem eigenen Weltbild völlig zuwider. Ich kann nichts über queeres Leben sagen, das habe ich ja oben erwähnt. Aber Menschen sind zum großen Teil halt „nur“ Menschen, ein paar sind Arschlöcher. Das hat aber nichts mit dem Lebensentwurf oder der Herkunft zu tun.

Und deshalb sollte jeder die Klappe halten, der queeres Leben nun für sich vereinnahmt, um gegen Muslime zu schießen. Die sind auch zum allergrößten Teil einfach nur ganz normale Menschen. So wie der schwule Kneiper oder die Trans-Person, mit der man zusammenarbeitet. Daher stimmt es, was Friedrich Merz sagte: Dieser Angriff auf queeres Leben ist ein Angriff auf uns alle. Und deshalb müssen wir abrüsten und uns alle unterhaken. Etwas anderes fällt mir nicht ein.

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