Verzeihen: Es wird verdammt schwer werden
Es wird eine Zeit kommen, in der wir lernen müssen, uns zu verzeihen. Auch wenn ihr das erstmal noch nicht glauben wollt, es wird passieren. Ich glaube, das Land ist so derartig zerstritten und gespalten, dass es vielleicht nur noch helfen wird, wenn eine(r) mal anfängt, "sorry" zu sagen. Kriegen wir das hin? Und mit...
s wird eine Zeit kommen, in der wir lernen müssen, uns zu verzeihen. Auch wenn ihr das erstmal noch nicht glauben wollt, es wird passieren. Ich glaube, das Land ist so derartig zerstritten und gespalten, dass es vielleicht nur noch helfen wird, wenn eine(r) mal anfängt, „sorry“ zu sagen. Kriegen wir das hin? Und mit „wir“ meine ich mich selbst auch. Kann diese Gesellschaft noch irgendwas ohne Wutschnauben, ohne Hinterlist, ohne geballte Fäuste, ohne Streit und dergleichen zustande bekommen? Überrascht mich mal.
Verzeihen wir uns
Ich weiß, es klingt lächerlich. Und ich weiß, dass gleich wieder irgendwer die Fäuste ballen und rot vor Wut anlaufen wird. Aber könnt ihr euch noch an Jens Spahn erinnern? Der hat mal gesagt, dass wir uns eines Tages viel zu verzeihen haben werden. Gut, er hatte es in einem anderen Zusammenhang gesagt. Und seine Taten sind halt auch echt schlimm. Aber grundsätzlich können sich wahrscheinlich viele aus den unterschiedlichsten Motiven mit dem Satz einverstanden erklären.
Wie sieht es denn im Land aus? Ost gegen West, arm gegen reich, DIE DA OBEN gegen DIE DA UNTEN, hier geboren gegen zugewandert… So können wir das endlos weiter exerzieren. Und dann haben wir ja noch die ganzen politischen Akteure, die wie die Kesselflicker aufeinander losgehen. Was haben wir alle denn damit erreicht? Niemand redet mehr miteinander. Man versucht es nicht einmal mehr, in irgendeiner Form etwas gemeinsam zu erreichen.
Können wir uns all diese Verletzungen und Anfeindungen jemals verzeihen? Und was noch viel wichtiger ist: Wollen wir das überhaupt? Ich habe mal so in mich hinein gehört. Und ich habe mir gedacht: So kann das doch nicht ewig weitergehen. Eigentlich bist du doch auch nicht so. Und du wurdest auch nicht so erzogen. Du hast nicht jeden dritten Menschen, der dir über den Weg lief, als Idioten hingestellt. Wann bist du denn da falsch abgebogen?
Es ist ja auch ermüdend. Es ist doch viel anstrengender, ständig diese Energie für diesen ganzen Quatsch aufzubringen. Ein Boot kommt doch viel schneller am anderen Ufer an, wenn alle in die gleiche Richtung rudern. Oder etwa nicht? Dazu muss man sich zumindest akzeptieren. In einem zerstrittenen Laden wie Deutschland muss man sich vorher gegenseitig vieles verzeihen. Sind wir dazu in der Lage? Was denkt ihr?
Wie komme ich denn darauf?
Ich habe einfach den Kanal restlos voll. Da werden Bürger dieses Landes von führenden Politikern über die Jahre mal als „Pack“, mal als „faul“, mal sonstwie beschimpft. Oder Menschen, die bestimmte Parteien wählen oder zumindest gut finden, werden gern mal als „nicht ganz dicht“ oder gar als „Vollidioten“ bezeichnet. Jeder ist gegen irgendwas. Immer. Können wir vielleicht mal wieder damit anfangen, für etwas zu sein? Und damit meine ich nicht mal irgendwas plakatives.
Hört also vielleicht auf, irgendwas in Sachen Besserwisserei vom Stapel zu lassen. Und verkneift es euch, wie Kindergarten-Kinder einen auf „Mit denen rede ich nicht“ von euch zu geben. Das Alles hat uns doch in diese beschissene Lage gebracht, dass das ganze Land um sich schlägt und das Volk komplett zerrissen ist. Und wenn ich das sehe: Die Rhetorik! Leute, klettert mal von euren Bäumen runter. „Krieg unter Bloggern“, „Die Regierung führt Krieg gegen uns“… Geht’s noch?
Damit haben wir uns gespalten. Wir brauchten dazu weder Geflüchtete, noch einen verdammten Krieg in der Ukraine, noch eine elende Wirtschaftskrise, noch sonstwas. Das haben WIR ALLE hübsch selbst angestellt. Und damit muss es doch nun mal genug sein, findet ihr nicht auch? Und das Alles müssen wir uns irgendwann verzeihen. Eine gespaltene Gesellschaft ist immer geschwächt. Und diese Schwäche nutzen die Populisten aus. Lasst euch nicht veralbern, da ist kein Topf voll Gold am Ende des Regenbogens.
Wenn du jetzt Leute in Sachsen-Anhalt hörst, was die sich für die Zukunft wünschen, ist es eigentlich kein „Ausländer raus“. Wenn, dann eher „kriminelle, illegale Zuwanderer raus“. Aber es ist der ganz große Wunsch, dass man aufeinander zugeht. Jaja, „you may say I’m a dreamer“. Aber denkt doch einfach mal darüber nach, dass jeder Mensch eben ein Mensch ist. Hört einfach auf mit den Verletzungen. Ich werde jedenfalls versuchen, mich an meinen eigenen Wunsch zu halten. Wer macht mit?
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