Paukenschlag: Ich kann es nicht mehr lesen
Es ist ein echter Paukenschlag! - Na, seid ehrlich: Wie oft habt ihr in eurem Leben die jeweiligen Verkünder für dieses Wort verflucht? Es gibt so viele Gelegenheiten, in denen man zu hören oder zu lesen bekommt, dass da eine große Trommel ertönt. Es ist nicht immer so, dass dann irgendwas weltbewegendes verkündet wird. Ich...
s ist ein echter Paukenschlag! – Na, seid ehrlich: Wie oft habt ihr in eurem Leben die jeweiligen Verkünder für dieses Wort verflucht? Es gibt so viele Gelegenheiten, in denen man zu hören oder zu lesen bekommt, dass da eine große Trommel ertönt. Es ist nicht immer so, dass dann irgendwas weltbewegendes verkündet wird. Ich frage mich dann immer, wieso die jeweils verkündenden Personen wieder und wieder auf dieses doch seltsame Wort kommen. Im Internet würde ich auf Clickbait tippen. Aber sonst?
Was für ein Paukenschlag!
Ich höre gerade das Album „World Be Gone“ von Erasure aus dem Jahr 2017. Und nebenher überfliege ich, was auf Bluesky so großartig erzählt wird. Und plötzlich lese ich dort einen automatisierten Post eines Blogs, in dem von einem Paukenschlag die Rede ist. Dieser – Trommelwirbel (auch so ein Wort, nicht wahr?) – kündet davon, dass ein Unternehmen, das mir nichts sagt, irgendwas gemacht hat, womit ich nichts anfangen kann. Muss man heutzutage echt ein furchtbarer Nerd sein, um das zu verstehen?
Das Wiktionary weiß zu dem Begriff, dass ein Paukenschlag nicht nur ein Schlag auf eine Pauke ist. Ramtamtamtam. Nein, es handelt sich auch um einen Aufsehen erregenden Vorfall. Andy Bell jammert gerade theatralisch das Titelstück des Albums. Und ich frage mich, was für ein jämmerlicher Rohrkrepierer dieser Paukenschlag dieser x-beliebigen Firma gewesen sein muss. Ich denke bei solchen Begriffen an Ereignisse wie den Überfall Russlands auf die Ukraine. Aber vielleicht liege ich da auch falsch. Wer weiß das schon?
Was die Sache schwierig macht
Im Zweiten Weltkrieg nannte die deutsche Kriegsmarine eine Militäroperation so. Dieses „Unternehmen Paukenschlag“ umfasste mehrere U-Boote, die an die US-Ostküste geschickt wurden. Damit sollte der US-amerikanische Schiffsverkehr angegriffen werden, vor allem die Kriegsschiffe. Ich sag ja, sowas macht dann diesen Begriff eher schwierig. Deshalb frage ich mich halt, wieso immer wieder von diesem tiefen Trommeln erzählt wird, wenn es um einen Sturm im Wasserglas geht.
Das Problem ist eben auch, dass der „Paukenschlag“ auch extrem inflationär verwendet wird. Ein Autohersteller hat es verpennt, sich von der Produktlinie her zu wandeln, sodass nun die Fahrzeuge nicht abgesetzt werden und Mitarbeiter entlassen werden müssen. Und dann heißt es, dass es ein Paukenschlag in der Autoindustrie sei. Das finde ich alles eher schlimm. Gemini – also die Google-Zusammenfassungen – präsentiert mir dazu einige merkwürdige Beispiele:
- Paukenschlag beim FC Bayern: Trainer wechselt Abwehrspieler aus
- Paukenschlag im Stadtrat: Partei stimmt gegen neuen Radweg
- Paukenschlag auf dem Automarkt: Hersteller erhöht Preise um 2 Prozent
Jaja, das kann sich die Google-KI auch bloß ausgedacht haben. Aber diese Beispiele passen zu dem, was ich so zu dem inflationären Einsatz des Begriffes denke. Da werden irrelevante oder ohnehin absehbare Dinge wichtiger und größer gemacht, als sie eigentlich sind. Dadurch merke ich zumindest, dass man als Konsument der Information einigermaßen taub wird. Und das kann ja nicht das gewünschte Ergebnis sein.
Eine Bitte
Setzt doch bitte den Paukenschlag dann ein, wenn etwas wirklich relevantes passiert. Wenn also in Sachsen-Anhalt tatsächlich Neuwahlen stattfinden, weil die AFD zu doof für eine Minderheitsregierung ist. Oder wenn der Klimawandel endlich abgemildert wurde. Von mir aus auch, wenn die Tech-Giganten wirklich etwas gutes tun. Aber doch nicht, wenn ein Sack Reis im lauen chinesischen Wind umfällt. Nicht alles irrelevante ist es wert, clickbaitig verkündet zu werden.
Did you enjoy this article?
Recommend it — Standard Reader surfaces well-loved writing to more readers across the network.