Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder? (Mt 12,48)
16 Woche im Jahreskreis Dienstag Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus Mt 12, 46–50 In jener Zeit, als Jesus mit den Leuten redete, standen seine Mutter und seine Brüder vor dem Haus und wollten mit ihm sprechen. Da sagte jemand zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen mit dir sprechen....
6 Woche im Jahreskreis Dienstag
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus
Mt 12, 46–50
In jener Zeit, als Jesus mit den Leuten redete, standen seine Mutter und seine Brüder vor dem Haus und wollten mit ihm sprechen.
Da sagte jemand zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen mit dir sprechen.
Dem, der ihm das gesagt hatte, erwiderte er: Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder?
Und er streckte die Hand über seine Jünger aus und sagte: Siehe, meine Mutter und meine Brüder.
Denn wer den Willen meines himmlischen Vaters tut, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.
Tagesimpuls
Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder? (Mt 12,48)
In unserer Zeit werden Pfarrgemeinden aufgelöst und viele empfinden das als Verlust von Heimat. Aber Jesus schenkt Heimat, er schenkt sogar Familie, nicht nur Familienersatz. Wer in seiner Gemeinschaft ist, der zählt zu seiner Familie, sogar mehr als die Menschen, die biologisch zu seiner Familie gehören. Wie aber können wir in der heutigen kirchlichen Situation Beheimatung finden?
Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder?
Ich möchte behaupten: So wenig, wie die biologische Familie Jesu seine eigentliche Familie war, so wenig ist es auch die Kirchengemeinde mit ihren traditionellen Strukturen. Jesus würde also sagen: „Wer ist meine Familie? Nicht unbedingt die, die zur territorial strukturierten Pfarrei zählen, sondern die, die hier um mich geschart sind und auf mein Wort hören.“
Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder?
Wir müssen realistisch feststellen: Das Dorf ist nicht mehr die Kirche. Kirche, das sind die Menschen, die sich um Jesus scharen in der Eucharistie, in kleinen Gruppen, die sich mit der Bibel beschäftigen und den Willen Jesu tun wollen. Das ist es, was uns Christen verbindet, vielmehr als der Wohnort. Ich nenne ein Beispiel: In einer Dorfgemeinde lebt eine über 80jährige Frau, die der Kirche sehr verbunden ist und nicht nur die Sonntagsmesse, sondern auch die Werktagsmesse besucht. Weil nicht täglich in diesem Ort eine Messe ist, fährt sie mit dem Fahrrad an einem Wochentag in eine Nachbarkirche zur Messe. Beim ersten Mal kannte sie die Menschen dort noch nicht, aber schon nach wenigen Wochen gehörte sie fest dazu, sie war Teil dieser Familie geworden. Da, wo sich Menschen um Jesus versammeln, da entsteht sofort Familie, da entsteht Beheimatung.
Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder?
Was möchte Jesus mit unseren Kirchen? Ich glaube, dass wir so viele Kirchen wie möglich erhalten sollen. Und das kann geschehen, wenn dort kleine christliche Zellen entstehen, die nicht nur das Ziel haben, Vergangenes aufrecht zu erhalten oder zu ersetzen, sondern deren Ziel es ist, kleine Gemeinschaften um Jesus, die Eucharistie und sein Wort zu bilden. Wenn das geschieht, dann wird die Kirche automatisch wieder anziehender und missionarischer. Dann hat man nicht nur den Blick auf die, die jetzt da sind, sondern auch auf die, die noch nicht da sind, die wir aber ansprechen wollen.
Gebet:
Jesus, ich danke dir, dass du Heimat schenkst, überall auf der Welt, wo immer wir sind. Wir brauchen nicht unbedingt an etwas festzuhalten, was nicht mehr geht. Du schenkst sofort neue Heimat in den Möglichkeiten, die wir heute haben.
Pastor Roland Bohnen
Pfarrer-Kreins-Str. 2
52538 Selfkant Süsterseel
Telefon 02456 – 3627
Fax 02456 – 3019
pastor.bohnen@kirche-selfkant.de
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