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Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? (Mt 14,31)

19 Sonntag im Jahreskreis Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus Mt 14, 22–33 Nachdem Jesus die Menge gespeist hatte, drängte er die Jünger, ins Boot zu steigen und an das andere Ufer vorauszufahren. Inzwischen wollte er die Leute nach Hause schicken. Nachdem er sie weggeschickt hatte, stieg er auf einen Berg, um für sich allein...

Tagesimpuls
Aug 8, 20264 min read

9 Sonntag im Jahreskreis

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus
Mt 14, 22–33

Nachdem Jesus die Menge gespeist hatte, drängte er die Jünger, ins Boot zu steigen und an das andere Ufer vorauszufahren. Inzwischen wollte er die Leute nach Hause schicken.
Nachdem er sie weggeschickt hatte, stieg er auf einen Berg, um für sich allein zu beten. Als es Abend wurde, war er allein dort.
Das Boot aber war schon viele Stadien vom Land entfernt und wurde von den Wellen hin und her geworfen; denn sie hatten Gegenwind.
In der vierten Nachtwache kam er zu ihnen; er ging auf dem See.
Als ihn die Jünger über den See kommen sahen, erschraken sie, weil sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrien vor Angst.
Doch sogleich sprach Jesus zu ihnen und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!
Petrus erwiderte ihm und sagte: Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme!
Jesus sagte: Komm! Da stieg Petrus aus dem Boot und kam über das Wasser zu Jesus.
Als er aber den heftigen Wind bemerkte, bekam er Angst. Und als er begann unterzugehen, schrie er: Herr, rette mich!
Jesus streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?
Und als sie ins Boot gestiegen waren, legte sich der Wind.
Die Jünger im Boot aber fielen vor Jesus nieder und sagten: Wahrhaftig, Gottes Sohn bist du.

Tagesimpuls

Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? (Mt 14,31)

Petrus hätte es also schaffen können! Er hatte es ja schon viele Schritte geschafft über die unruhige See. Wir wissen nicht, wie weit Jesus entfernt war. Aber die Tatsache, dass die Jünger ihn nicht erkannt hatten, spricht doch dafür, dass er sich noch nicht in der Nähe des Bootes befand. Also muss Petrus schon einen Weg über das Wasser zurückgelegt haben, bevor er dann doch noch unterging.

Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?

Aber was war es, was ihm dann fehlte? Jesus sagt, er habe gezweifelt. Wir wissen den Auslöser. Er hatte mehr auf das Wasser als auf Jesus geschaut. Wenn er also auf Jesus geschaut hätte, dann wäre in ihm Vertrauen und Glauben gewachsen. Schaut er aber auf das Wasser, da kommen ihm Zweifel. Er fragt sich: „Was mache ich hier überhaupt?“

Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?

Aber was macht diesen Glauben aus, von dem Petrus hier offensichtlich doch noch zu wenig hatte? Ist es nicht doch eine irgendwie psychologisch beschreibbare und greifbare Qualität? Oder könnte man sich damit begnügen, zu sagen, dass es eben ein Geschenk sei, eine übernatürliche Tugend, auf die wir gar keinen Einfluss hätten?

Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?

Aber wir werden zum Glauben aufgefordert. Und Unglaube wird in der Bibel immer als Sünde bezeichnet. Sündigen kann man aber nur mit dem freien Willen. Also muss der Glaube doch auch ein freier Akt unseres Willens sein, etwas, das wir irgendwie machen können – natürlich nur mit der Hilfe Gottes. Gott also bietet uns seine Hilfe an, damit wir glauben können. Dazu muss aber unser freier Wille Ja sagen, so dass wir wirklich glauben.

Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?

Die Jünger fragen Jesus einmal, dass er ihnen mehr Glauben schenken solle. Darauf antwortet er, dass sie Berge versetzen könnten, wenn sie nur einen Glauben hätten so klein wie ein Senfkorn. Es gibt also einen Glauben, den wir aktivieren können, durch den dann übernatürliche, das heißt aus menschlicher Sicht nicht mehr erklärbare Dinge, geschehen können.

Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?

Und jetzt kommt die Frage: Glaube ich das? Glaube ich, dass es Dinge gibt, die das Natürliche übersteigen und die ich durch meinen Glauben aktivieren kann? Manche fromme Seelen haben großartige Gebetserhörungen erlebt, die man auf natürliche Weise nicht erklären kann.

Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?

Dabei gibt es unterschiedliche Arten von Wundern. Es gibt Wunder, die prinzipiell möglich sind, aber dass sie genau da geschehen sind, wo jemand vorher gebetet hat, ist vollkommen unwahrscheinlich. Das könnte z.B. ein Lottogewinn sein, auch wenn das Beispiel unpassend ist. Die andere Art von Wunder ist hier der Seewandel von Jesus und Petrus. Das ist etwas, was es normalerweise wegen der Schwerkraft nicht geben kann, also prinzipiell nicht. Aber auch solche Wunder können aktiviert werden durch unseren Glauben. Müssten wir dann nicht alle beten: „Herr, mehre unseren Glauben!“?

Gebet:

Jesus, es ist so klar, und doch sehen wir, wie weit wir noch vom tiefen Glauben entfernt sind. Bitte verzeih uns und allen Christen, die sich mit einem minimalen Glauben zufrieden geben, die gar nicht glauben und das auch noch lehren, dass es einen größeren Glauben geben könnte. Bitte verzeih uns, dass wir so schwach sind im Glauben und hilf uns, wie Petrus mutige Glaubensschritte zu machen.

Pastor Roland Bohnen

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