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Bis zu siebzigmal siebenmal. (Mt 18,22)

24 Sonntag im Jahreskreis Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus Mt 18, 21–35 In jener Zeit trat Petrus zu Jesus und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er gegen mich sündigt? Bis zu siebenmal? Jesus sagte zu ihm: Ich sage dir nicht: Bis zu siebenmal, sondern bis zu siebzigmal siebenmal. Mit...

Tagesimpuls
Sep 12, 20264 min read

4 Sonntag im Jahreskreis

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus
Mt 18, 21–35

In jener Zeit trat Petrus zu Jesus und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er gegen mich sündigt? Bis zu siebenmal?
Jesus sagte zu ihm: Ich sage dir nicht: Bis zu siebenmal, sondern bis zu siebzigmal siebenmal.
Mit dem Himmelreich ist es deshalb wie mit einem König, der beschloss, von seinen Knechten Rechenschaft zu verlangen.
Als er nun mit der Abrechnung begann, brachte man einen zu ihm, der ihm zehntausend Talente schuldig war.
Weil er aber das Geld nicht zurückzahlen konnte, befahl der Herr, ihn mit Frau und Kindern und allem, was er besaß, zu verkaufen und so die Schuld zu begleichen.
Da fiel der Knecht vor ihm auf die Knie und bat: Hab Geduld mit mir! Ich werde dir alles zurückzahlen.
Der Herr des Knechtes hatte Mitleid, ließ ihn gehen und schenkte ihm die Schuld.
Als nun der Knecht hinausging, traf er einen Mitknecht, der ihm hundert Denare schuldig war. Er packte ihn, würgte ihn und sagte: Bezahl, was du schuldig bist!
Da fiel der Mitknecht vor ihm nieder und flehte: Hab Geduld mit mir! Ich werde es dir zurückzahlen.
Er aber wollte nicht, sondern ging weg und ließ ihn ins Gefängnis werfen, bis er die Schuld bezahlt habe.
Als die Mitknechte das sahen, waren sie sehr betrübt; sie gingen zu ihrem Herrn und berichteten ihm alles, was geschehen war.
Da ließ ihn sein Herr rufen und sagte zu ihm: Du elender Knecht! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich angefleht hast.
Hättest nicht auch du mit deinem Mitknecht Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte?
Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Peinigern, bis er die ganze Schuld bezahlt habe.
Ebenso wird mein himmlischer Vater euch behandeln, wenn nicht jeder seinem Bruder von Herzen vergibt.

Tagesimpuls

Bis zu siebzigmal siebenmal. (Mt 18,22)

Hier reden die Jünger mit Jesus über die christliche Gemeinschaft. Dazu gehören selbstverständlich auch die Familie, Verwandte, Freunde, eben alle Menschen, die uns nahestehen und zu denen wir regelmäßigen Kontakt haben. Das sind Gemeinschaften, aus denen wir uns nicht einfach entlassen können, nur weil einmal Streit herrscht. Das sind stabile Gemeinschaften, die wir alle im Leben brauchen. Jeder Mensch braucht eine Gemeinschaft, in der er Heimat findet, wo er so sein kann, wie er ist, wo er nicht ständig Angst haben muss, dass sie zerbricht. Wenn Eltern z.B. ihren Kindern sagen würden, „wenn du nicht brav bist, geben wir dich ab“, dann würden sie diese stabile Basis zerstören. So etwas dürfen Eltern nicht einmal denken.

Bis zu siebzigmal siebenmal.

Man kann also bei diesen stabilen Gemeinschaften nicht sagen, dass man dem anderen siebenmal verzeiht, und danach ist Schluss. Wobei man sagen muss, dass es weder dem Petrus noch Jesus um eine genaue Zahl geht. Petrus meint, ob man irgendwann mal Schluss machen solle mit dem Verzeihen. Und Jesus antwortet, dass man immer verzeihen muss, dass es keine Grenze geben darf. Die Stabilität der Gemeinschaft ist für uns Menschen also so wichtig, dass man dafür viel Leid und viel Verzeihen auf sich nehmen muss. Es mag schwierig sein, aber der Bruch ist ein noch größeres Übel, so sagt es Jesus.

Bis zu siebzigmal siebenmal.

Es gibt natürlich extreme Ausnahmen, wenn ein Familienmitglied Leib und Leben des anderen bedroht. Wenn das Leben bedroht ist, dann muss man sich in Sicherheit bringen, das ist nicht nur legitim, sondern geboten.

Bis zu siebzigmal siebenmal.

Aber wir sollten nicht nur von den Extremen und den Ausnahmen her denken. Worum es Jesus und Petrus hier geht, ist, dass wir in einer Gemeinschaft leben, in der alle Menschen immer noch Sünder sind. Daher ist es unausweichlich, dass wir uns täglich verletzen. Je näher wir uns stehen, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns verletzen. Und dieses Verletzen darf nicht zu einem Auseinanderleben führen. Es muss ins Gespräch und in die Versöhnung münden, dann wächst dadurch sogar die Liebe. Wir müssen den anderen jeden Tag wieder neu sehen, nichts von gestern nachtragen, sondern jedem Tag eine neue Chance geben. So wollen Jesus uns Petrus uns den Weg zeigen zu stabilen und gesunden Beziehungen in unseren Gemeinschaften, trotz der Tatsache, dass wir alle Sünder sind.

Gebet:

Jesus, ich danke dir, dass du uns den Weg zeigst. Wir sind bei Problemen versucht, uns zu distanzieren. Aber das würde dazu führen, dass wir nebeneinander her leben oder Beziehungen brechen. Du willst uns helfen, trotz der immer wiederkehrenden Schuld in dauerhaften stabilen Gemeinschaften zu leben. Danke, dass du uns dazu die Kraft gibst.

Pastor Roland Bohnen

www.tagesimpuls.org

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