Skip to content

2005, als bloggen noch potenzial hatte

2005 beschrieb doc searls blogs noch „wie schneebälle“. heute sind blogs eher schneeflocken.

ix
Aug 3, 20263 min read2 reads

ich gehöre nicht zu den leuten die die alten zeiten im internet vermissen. ich finde das internet so wie es ist immer noch gut. ist halt noch unübersichtlicher geworden. 2005 war das internet kleiner, aber auch schon gross und unübersichtlich.

2005 hatte sascha lobo noch keinen irokesen und erklärte anderen das internet noch nicht. das hat 2005 mario sixtus getan, zum beispiel hier in der zeit.

zeit.de: Die Humanisierung des Netzes

im artikel lässt er doc searls blogs erklären:

»Bloggen ist wie Schneebälle einen Hang herunterrollen, manche bleiben liegen, andere rollen weiter, manche werden sogar riesig«, sagt Searls. Ein einziger inspirierter Eintrag kann in der Welt der Blogs eine Eigendynamik ohnegleichen entwickeln. Daher gilt die Blogosphäre als Frühwarnsystem für Themen, Trends und manchmal sogar Nachrichten. »Blogs sind Gespräche«, persifliert sich Searls selbst. Mit der Phrase »Märkte sind Gespräche« hatte er vor sechs Jahren die Grundlage des Cluetrain Manifests gelegt.

heute sind blogs nur noch schneeflocken.

2004 hatten „der ehemalige MTV-Moderator Adam Curry zusammen mit dem Web-Entwickler und Blog-Guru Dave Winer eine Methode, Audiodateien zeitversetzt und automatisiert in den Speicher von MP3-Spielern zu übermitteln“ ersonnen. so lange ist das schon her.

weil 2005 das wort „social media“ noch nicht geläifig war, schrieb mario sixtus damals von einem „humanisiertem netz“, damals bestand die hoffnung, dass das internet von menschen geprägt werden könne. kommunikation, zusammenarbeit, vertrauen und persönliche beziehungen würden sich in und um blogs bündeln — so die hoffnung.

2005 fand ich, dass dieser artikel von mario sixtus der „beste artikel über blogs (ever)“ sei. so hab ich das damals aufgeschrieben in einem artikel den ich über ein interview schrieb, das marin majica damals mit mir gefürhrt hat.

er wollte mich interviewen, wir trafen uns um 18 uhr im starbucks am hackeschen markt. er kam fünf minuten zu spät, aber ich schleimbeutel lobte ihn für seine pünktlichkeit. ich wurde, parteitagsgestählt, gleich investigativ: „lesen sie blogs? welche?“. er log mich an: „ja. ein paar.“ na gut ein paar blogs kannte er, aber von jamba und spreeblick hatte er noch nix gehört. ich trug ihm mit meiner unverbesserlichen arroganz auf das zu googlen und drückte ihm den besten artikel über blogs (ever) in die hand, den ich zufällig (wirklich), ausgedruckt, dabei hatte.

marin majica interessierte sich damals für mich, weil im (bundetags-) wahlkampf 2005 die damalige blogplattform um nico lumma blogg.de ein wahlblog organisisrte, dass ein paar blogger, unter anderem mich, zu parteitagen schickte. mit ein bisschen pressearbeit machte das damals eine kleine welle in der journalistenwelt.

das pressecho zu mir hab ich damals hier festgehalten: respektlos?

der artikel von marin majica gefiel mir damals (und heute) am besten: Manchmal schläft er ein (archive.org link)

Bei einem Treffen in einem Berliner Café demonstriert Schwenzel ganz nebenbei seine Arbeitsmethoden. Ungefragt macht er mit dem Handy ein Foto des Gegenübers, das er direkt in seinen Blog lädt. "Flickrn" heißt das, benannt nach der dafür benutzten Software Flickr. Am Nachmittag wird er noch einen Kommentar zu dem Gespräch mit dem Journalisten dazustellen. Für den ist das gewöhnungsbedürftig: beschrieben zu sein, bevor man selbst beschreibt.

auch die taz schrieb damals über mich und zitierte mich:

Auch dass Lafontaine so häufig das Wort „ich“ verwendete, wurde von Schwenzel kommentiert: „Da scheint sich eine neue Spielart im linken Spektrum abzuzeichnen: Sozialichmus.“


so war das damals: das internet steckte noch voller hoffnungsfroh stimmendem potenzial und man konnte aufmerksamkeit erregen, indem man einfach ins internet schrob.

von der prognostizierten humanisierung des netzes ist im grösseren masstab — ausser podcasts — nicht mehr allzuviel übrig. aber vielleicht ja doch, nur eben etwas anders als wir uns das damals vorgestellt haben. das internet besteht nach wie vor vor allem aus menschen, mit all seinen vor- und nachteilen.

vielleicht sollten wir wieder mehr darüber nachdenken wie wir die aufmerksamkeitsströme wieder humanisieren und aus den klauen der grossen plattformen und algorithmen befreien.

Did you enjoy this article?

Recommend it — Standard Reader surfaces well-loved writing to more readers across the network.

Across the AtmosphereDiscussions