wtf ist intelligenz?
es wäre nicht dumm weiter über das nachzudenken, was hoimar von ditfurth 1972 üner intelligenz geschrieben hat.
nico:
Mir geht es um die Lüge von der Intelligenz. Gut raten, welches Wort als nächstes in einen Satz gehört scheint zu reichen, um das auszuüben, was ich mir mehr oder weniger autodidaktisch als Beruf beigebracht habe, das überrascht mich jetzt nicht mal wirklich. Aber das ist keine Intelligenz.
Das wäre kein Problem, wenn dieser Irrglaube, wir hätten es hier mit Intelligenz zu tun, nicht gerade dazu führen würde, das alles wa[s] wirkliche Intelligenz ausmacht, abgewertet wird.
nico redet hier — natürlich — über sogenannte künstliche Intelligenz, KIs, LLMs.
das lese ich seit vielen jahren immer wieder, allüberall, die betonung, dass das was LLMs, oder die large language models, die wir in der alltagssprache meist als künstliche intelligenzen bezeichnen, eben keine intelligenz sind, sondern nur dinger die worte aneinander reihen die irgendwelche wahrscheinlichkeiten erfüllen, also im prinzip nur autovervollständiger sind.
AI isn’t “artificial” and it’s not “intelligent.” “Machine learning” doesn't learn. On this week’s Trashfuture podcast, they made an excellent (and profane and hilarious) case that ChatGPT is best understood as a sophisticated form of autocomplete – not our new robot overlord.
ich bin kein philosoph und nicht besonders gut im tiefen nachdenken, weshalb ich mich hüte solchen behauptungen zu widersprechen. was mir aber fehlt, ist eine definition was intelligenz denn nun eigentlich ist. was macht „wirkliche Intelligenz“ aus?
die beste arbeitshypothese dazu hat mir hoimar von ditfurth von 40 jahren in den kopf gesetzt. releativ weit vorne in seinem buch „im anfang war der wasserstoff“ schreibt er:
[…] Geist und Verstand [sind] offensichtlich nicht erst mit uns Menschen in diese Welt hineingekommen […]. Diese Einsicht ist, wie mir scheint, eine der wichtigsten Lehren, die wir aus den Ergebnissen der modernen Naturwissenschaft ziehen können. Zielstrebigkeit und Anpassung, Lernen und Probieren, den schöpferischen Einfall ebenso wie Gedächtnis und Phantasie, das alles gab es, wie ich in diesem Buch im einzelnen zu zeigen versuchen werde, schon lange, bevor es Gehirne gab. Wir müssen umlernen: Intelligenz gibt es nicht deshalb, weil die Natur es fertigbrachte, Gehirne zu entwickeln, die das Phänomen »Intelligenz« am Ende einer langen Entwicklungsreihe schließlich ermöglicht hätten. […] Die Natur hat nur deshalb nicht bloß Leben, sondern schließlich auch Gehirne und zuletzt unser menschliches Bewußtsein hervorbringen können, weil es Geist, Phantasie und Zielstrebigkeit in dieser Welt schon immer gegeben hat, vom ersten Augenblick ihres Bestehens an.
sein argument ist, grob verkürzt, das die evolution, die natur, leistungen produziert, die im prizip wie intelligentes problemlösen aussehen — ohne ein planendes subjekt. beispiele die er nennt sind tarnung, evolutionäre anpassungsfähigkeit oder antibiotikaresitenz. einfache regeln in komplexen systemen, wie bei bienen- oder ameisenvölkern, mutation und selektion erwecken „den Eindruck von Lernfähigkeit und intelligentem Verhalten“.
Klammert man sich nicht mehr daran, daß eine intelligente Reaktion nur dann intelligent genannt werden darf, wenn es die Reaktion eines Individuums ist, nicht dagegen, wenn es sich um die Reaktion einer Art handelt, dann bestehen keine Schwierigkeiten, sich die isolierte Entstehung einzelner Leistungen vorzustellen, die in ihrer Gesamtheit dann an einem sehr viel späteren Punkt der Entwicklung, durch individuelle Gehirne zusammengefaßt, den Beginn der »psychischen« Entwicklungsstufe markieren.
Hier zeichnet sich folglich die Möglichkeit ab, das Gehirn zu begreifen als ein Organ, dessen eigentliche Leistung unter einem evolutionistischen Aspekt darin zu sehen sein könnte, daß es bestimmte Reaktionsmöglichkeiten, die unabhängig voneinander entstanden sind und fertig vorliegen, zu einem geschlossenen, individuellen Verhaltensrepertoire integriert.
platt gesagt, habe ich hoimar von ditfurth damals wie heute so verstanden, dass der geist, die fähigkeit zur intelligenten reaktionen auf die welt, einfach da ist, im universum oder den naturgesetzen steckt und sich im Laufe der evolution in immer komplexeren formen und irgendwie, irgendwann auch in unseren gehirnen manifestieren konnte.
hoimar von ditfurth kann man zum glück nicht nachsagen, er sei dem hype aufgesessen oder anthromorphisiere das universum. im gegenteil, er ermahnte uns bereits 1972 dazu, intelligenz nicht zu einer exklusiv menschlichen fähigkeit zu machen und ihre existenz nicht an gehirne oder ein individuelles bewusstsein zu knüpfen.
oder kurz gesagt: sätze wie
das ist keine Intelligenz
oder
AI is […] not “intelligent.”
scheinen mir einen erstaunlich geringen erkenntniswert zu haben, solange ungeklärt ist, wtf intelligenz eigentlich sein soll.
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