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oktoberfest und karneval

was karneval und oktoberfest gemeinsam haben.

ix
Sep 20, 20262 min read1 read

frauklugscheisser.de: Everything Goes to Hell

Wie bereits erwähnt, ist das Ok­to­ber­fest die weltweit größte Frei­luft­swin­ger­ver­an­stal­tung.

Auf einem meiner Flüge von L.A. nach München saß eine Gruppe aus­tra­li­scher Pas­sa­gie­re im ge­schätz­ten Alter zwischen 18 und 25. Sie wollten auf’s Ok­to­ber­fest. Mitte Oktober. Als ich sie darauf hinwies, dass das Ok­to­ber­fest immer im September statt­fin­det und bereits beendet sei, war die Stimmung im Keller. Mög­li­cher­wei­se ist die Na­mens­ge­bung ab­sicht­lich wi­der­sprüch­lich, um nach den Briten we­nigs­tens die Aus­tra­li­er fern­zu­hal­ten.

was frau klugscheisser hier über das oktoberfest schreibt, erinnert mich an die rheinische tradition des karnevals. ich bin im rheinland aufgewachsen und habe das ungefähr 20 jahre miterlebt und beobachtet. im unterschied zum oktoberfest, hat karneval auch einen politischen hintergrund, von dem man in der neuzeitlichen ausprägung zwar nicht mehr allzu viel mitbekommt. die idee, im schutz von verkleidung und humor die obrigkeit zu verspotten und gesellschaftliche zustände zu kritisieren, ist hier und da noch sichtbar.

praktisch dient der karneval, wie das oktoberfest, aber vor allem als ausrede, sich masslos zu besaufen, sich gehen zu lassen und gewisse gesellschaftliche konventionen für eine weile auszusetzen. als jugendlicher im rheinland fand ich das gut und habe die gelegenheit gerne genutzt. ich habe erfahrungen sammeln können, zu denen ich im normalen leben keine gelegenheit hatte, wie zum beispiel einen faustschlag ins gesicht zu bekommen und die gelegenheit auf einer abendveranstaltung zu knutschen.

bis zu meinem achtzehnten lebensjahr fand ich karneval gut. ich habe die tagelange veranstaltung rationalisiert und mir gedacht, dass es gut sei, wenn menschen einmal pro jahr narrenfreiheit bekommen und diese zeit als ablassventil nutzen können und für eine gewisse zeit ihre sorgen, zwänge und hemmungen vergessen könnten. dann fuhr ich mit 17 jahren für ein jahr als austauschschüler nach amerika. dort bildete ich mir kurz ein, den karneval zu vermissen, aber als ich als achtzehnjähriger zurückkam, war ich dem karnevalstreiben völlig entfremdet.

in meiner nach-austauschschüler-zeit fand ich karneval nur noch störend, laut, übergriffig und albern. jedes jahr zur karnevalszeit flüchtete ich aus dem rheinland. das ist auch einer der unterschiede zum oktoberfest, das oktoberfest, die theresienwiese, kann man vielleicht umfahren, auch wenn die auswirkungen in der ganzen stadt münchen spürbar sind, ist der eigentlich wahnsinn örtlich begrenzt. dem karneval entkommt man in rheinischen städten nicht. es wird überall gesoffen, frohsinn in die welt gerufen und krach gemacht. die ganze stadt steht im wahrsten sinne des wortes kopf, von donnerstag bis dienstag. um dem wahnsinn zu entkommen, muss man das rheinland verlassen.

ursprünglich veröffentlicht am 05.10.2015

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