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briefe schreiben

ix
Oct 23, 20262 min read

ich habe früher regelmässig briefe geschrieben. auch wenn es über 30 jahre her ist, erinnere ich ich daran, dass es ein grossses vergnügen war. denn wenn man briefe schreibt, bekommt man auch briefe zurück. also nicht die unangenehmen oder langweiligen dinger die die post heutzutage in den briefschlitz drückt (werbung, (ab-) rechnungen, todesanzeigen), sondern texte die nicht nur an einen adressiert waren, spndern die sich eine person für mich persönlich ausgedacht hatte. entweder um mich zu unterhalten, zu informieren, zu erfreuen oder nach meinem wohlergehen zu erkundigen. ohne die intention mir etwas verkaufen zu wollen oder nach geld zu fragen (meistens).

der unterschied zwischen briefen und modernen kommunikationformen ist nicht in erster linie das medium. briefe wurden zwar meistens auf papier geschrieben oder gedruckt und in papierumschlägen verschickt, aber das entscheidende war die sorgfalt, die mühe und die zeit die man in briefform goss.

briefe schrieb man damals nicht um aufmerksamkeit zu bekommen, sondern um aufmerksamkeit zu geben.

moderne textformen die briefen nahekommen gibt es natürlich weiterhin: newsletter, blogbeiträge, essays die mit mühe und sorgfalt erstellt werden.

aber wer schreibt heute noch essays für eine einzige person?

ich nicht. damit habe ich tatsächlich vor etwas über 30 jahren aufgehört — vermutlich aus effizienzgründen.

damals hab ich mir überlegt, dass es doch viel effektiver wäre, wenn ich briefe so verfasse, dass ich sie an mehrere leute senden kann. deshalb setzte ich in mit yahoo eine liste auf, fügte alle meine freunde hinzu, die damals schon email hatten, und schickte ihnen updates aus meinem leben. im gegenteil zu briefen die man einer einzelnen person schickt, schrieb nie jemand zurück. aber das gefiel mir trotzdem, bis auf die aufdringlichkeit die so ein newsletter hat. diese effizienteren, aber eben auch unpersönlicheren briefe buhlten um die gleiche aufmerksamkeit und drückten sich in die gleiche inbox, in die eigentlich nur briefe gehörten.

statt mit druck, wollte ich lieber mit sog arbeiten. unter einer festen adresse ins internet schreiben schien mir eine gute lösung und klügere leute als ich hatten dafür auch gerade kostenlose software entwickelt mit der man genau das machen konnte.

seitdem ich mir ezpublish auf einem server installiert habe, schreibe ich briefe an viele ins internet. aber einen brief an eine einzelne person hab ich seitdem nicht mehr geschrieben. oder erinnere mich nicht mehr daran. schade eigentlich.

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