Historischer Sommer 2026?
Wechselhaft und dennoch historisch? Die Daten zeigen: Der Sommer 2026 hat das Potenzial, in die Wettergeschichte einzugehen.
ir nähern uns langsam aber sicher der Halbzeit des meteorologischen Sommers. Das soll zum Anlass genommen werden, ein kleines Zwischenfazit zu setzen. Eines soll an dieser Stelle schon mal vorweg zu nehmen: Der Sommer 2026 hat das Potenzial, historisch zu werden!
Ein wechselhafter Sommer in 4 Akten
Den Wetterablauf während des bisherigen meteorologischen Sommers (beginnend am 1. Juni) kann man grundsätzlich in vier Abschnitte unterteilen. Anfang Juni gelangte Deutschland zwischen rege Tiefdrucktätigkeit über Westeuropa und hohem Luftdruck über Osteuropa in eine vorherrschend südwestliche Strömung. Damit wurde meist warme Luft zu uns geführt. Tiefausläufer gestalteten den Wetterablauf aber bereits wechselhaft. Teilweise kam es zu heftigen Gewittern und zu Starkniederschlägen. Bis zur Monatsmitte setzte sich der Tiefdruckeinfluss dann zunehmend auch über Nord- und Mitteleuropa fest, womit die Strömung auf West- bis Nordwest drehte und deutlich kühlere Luft zu uns geführt werden konnte. Im letzten Drittel des Monats Juni setzte sich von Südwesten allmählicher wieder Hochdruckeinfluss durch. Ein massiver "Heat Dome" (Hitzeglocke), der sich zunächst über Westeuropa aufbaute und sich im Verlauf bis nach Mitteleuropa verlagerte, sorgte schließlich in weiten Teilen Deutschlands für extreme Hitze und einen neuen Temperaturextremwert von 41,8 °C. Zum Monatswechsel und Anfang Juli wurde die Hitze mit erneut teils heftigen Gewittern nach Osten verdrängt, Zwischen einem Hoch über Westeuropa und Tiefs über Nordeuropa drehte die Strömung dann wieder auf West bis Nordwest. Vor allem in der Nordosthälfte stellte sich damit ein eher kühler, wechselhafter und fast frühherbstlich anmutender Wetterabschnitt ein, wohingegen sich in der Südwesthälfte rasch wieder Hochdruckeinfluss und sehr warme Luft durchsetzen konnte.
Nun soll auf die einzelnen Größen Temperatur, Niederschlagmenge und Sonnenscheindauer geschaut werden. Grundlage sind die Daten der offiziellen Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes. Betrachtet wird immer das Flächenmittel über ganz Deutschland. Das bedeutet aber auch, dass es regional durchaus zu größeren Abweichungen von den dargestellten Werten kommen kann.
Temperatur
In Abbildung 1 ist der Verlauf der gemessenen und von verschiedenen Modellen bis Mitte Juli vorhergesagten Tagesmitteltemperatur dargestellt. Zur Einordnung wird zudem das Klimamittel von 1991-2020 angegeben. Man erkennt recht gut das recht starke Auf und Ab auf insgesamt hohem Niveau. So starteten wir zunächst leicht zu warm in den Sommer, bevor es bis Mitte Juni zunächst mal leicht unter das Klimamittel ging. Im letzten Juni-Drittel tritt die extreme Hitzewelle mit Abweichungen teils über 10 Grad dann deutlich zutage. Nach kurzer Normalisierung zum Monatswechsel scheint sich im weiteren Juliverlauf dann erneut eine deutlich zu warme Phase einstellen zu wollen.
Die extreme Hitzewelle im Juni überschattet alles und sorgt auch dafür, dass sich die fortlaufende Mitteltemperatur des Sommers trotz auch kühlerer Phasen auf rund 19,5 °C einpendelt, was eine fortlaufende Abweichung von über 2,5 Grad bedeutet (siehe Abbildung 2). Klingt im ersten Moment vielleicht nach nicht viel - ist es aber! Zum Vergleich: Der sog. "Jahrhundertsommer" von 2003 schaffte es am Ende auf eine Mitteltemperatur von 19,7 °C, was einer Gesamtabweichung von "nur" 2,1 Grad entspricht. Bezüglich der Temperatur bewegen wir uns also sogar auf Rekordniveau. Das heißt natürlich nicht, dass es am Ende auch zu einem neuen Extremwert kommt. Die klimatologisch heißesten Tage stehen schließlich noch bevor und da warteten die vergangenen Extremsommer vielfach mit großer Hitze auf, vor allem 2003.
Niederschlag
Beim Niederschlag gibt es im Sommer typischerweise große regionale Unterschiede. Dennoch soll auch hier das deutsche Flächenmittel betrachtet werden. Abbildung 3 zeigt die Abweichung des kumulativen Mittels. Nach leicht zum "nassem" Beginn setzte sich regional große Trockenheit durch, vor allem im Südwesten Deutschlands. Dadurch kommen wir landesweit in ein Niederschlagdefizit: Im Mittel fiel nur gut 80 % des üblichen Niederschlags. In Baden-Württemberg sind es sogar weniger als 60 %. Was man dann durchaus schon als "Dürre" bezeichnen könnte. Dennoch: Es gab schon deutlich trockenere Sommer. 2018 zum Beispiel fiel nur rund die Hälfte (!), also nur rund 50 % des üblichen Niederschlags!
Sonnenscheindauer
Der Sommer 2026 startete insgesamt eher zu trüb, was die Abweichung des kumulativen Flächenmittels der Sonnenscheindauer (Abbildung 4) beweist. Doch danach stellte sich eine sehr sonnenscheinreiche Phase ein, sodass wir derzeit bei einem vergleichsweise deutlichen Überschuss stehen (rund 115 %). Es geht aber noch viel sonniger: Der Sommer 2022 verzeichnete beispielsweise ein Flächenmittel von rund 125 %!
Fazit
Angesichts des mitunter wechselhaften Witterungsverlaufs mag der Sommer in der subjektiven Wahrnehmung bislang weder außergewöhnlich heiß noch besonders trocken oder sonnig erscheinen. Die meteorologischen Auswertungen zeichnen jedoch ein anderes Bild: Tatsächlich handelt es sich bisher um einen sehr, regional sogar extrem warmen Sommer, der zugleich überdurchschnittlich sonnig und vielerorts zu trocken ausfällt.
Die Diskrepanz zwischen persönlicher Wahrnehmung und den gemessenen Daten dürfte unter anderem auf eine Verschiebung der Maßstäbe zurückzuführen sein, die mit dem fortschreitenden Klimawandel einhergeht. Immer häufigere und intensivere Hitzeperioden verändern unsere Erwartungshaltung und lassen selbst deutlich überdurchschnittlich warme Sommer vergleichsweise „normal“ erscheinen. Hinzu kommt, dass markante Wetterwechsel und einzelne kühlere oder niederschlagsreiche Phasen in der Erinnerung oft stärker gewichtet werden als länger anhaltende Wärme- und Trockenperioden.
Auch wenn der Sommer 2026 bislang wechselhaft verlief und subjektiv nicht durchgehend hochsommerlich wirkte, sprechen die Messdaten eine eindeutige Sprache: Er gehört bisher zu den wärmsten sowie sonnigeren und trockeneren Sommern. Die Wahrnehmung und die klimatologische Realität können dabei zunehmend auseinanderfallen – ein Effekt, der im Zuge der fortschreitenden Klimaerwärmung voraussichtlich weiter an Bedeutung gewinnen wird.
Quellen:
Wetter und Klima - Deutscher Wetterdienst - Startseite
Wetter und Klima aus einer Hand: Wetterwarnungen, Wetter, Klima, Biowetter, Agrarwetter, Flugwetter, Seewetter, Klimadaten, Klimakarten, Klimaservices
Michael Theusners Wetter- und Klimaseite
Diverse Parameter der DWD-Stationen als aktuelle 10-Minuten-Karten. Verfügbarkeit seit 1990 (abhängig vom Parameter).
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