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Der Saft des Lebens

In der dampfenden Küche des Restaurants Chez Ibbtown, zwischen kupfernen Töpfen und dem allgegenwärtigen Duft nach Butter und Zitrone, sitzt Gourmet und Sauceologe Pierre Dibbmann – der leidenschaftlichste Verfechter der Sauce Hollandaise, die in seiner Heimatstadt über buchstäblich jedes Gericht fließt. Was als kleiner Betriebsunfall im Jahr 1873 begann, ist heute eine Lebensphilosophie. Unser Reporter...

Ibbtown
Aug 10, 20263 min read1 read

In der dampfend­en Küche des Restau­rants Chez Ibbtown, zwis­chen kupfer­nen Töpfen und dem all­ge­gen­wär­ti­gen Duft nach But­ter und Zitrone, sitzt Gourmet und Sauce­ologe Pierre Dibb­mann – der lei­den­schaftlich­ste Ver­fechter der Sauce Hol­landaise, die in sein­er Heimat­stadt über buch­stäblich jedes Gericht fließt. Was als klein­er Betrieb­sun­fall im Jahr 1873 begann, ist heute eine Leben­sphiloso­phie. Unser Reporter Har­ald Trib­büne wollte bei ein­er StIB­B­vis­ite wis­sen, wie es so weit kom­men kon­nte.

Herr Dibb­mann, Sie gel­ten als der größte Für­sprech­er der Sauce Hol­landaise in Ibbtown – ein­er Stadt, die, so sagen Sie, das Epizen­trum dieser Sauce sei. Man gießt sie dort ange­blich über jedes Gericht. Ehrlich gesagt, schon der Gedanke macht mich etwas… unruhig. Kön­nen Sie erk­lären, wie das gekom­men ist?

Ja nun, dies ist eben die höch­ste Form der kuli­nar­ischen Erleuch­tung! Ibbtown ist nicht ein­fach eine Stadt. Ibbtown ist ein Tem­pel. Und die Hol­landaise ist unser heiliges Öl. Sie fließt hier wie der Rhein – nur cremiger, but­teriger und mit einem Hauch Zitrone, der die Seele stre­ichelt.

Über jedes Gericht? Auch über Nach­speisen? Früh­stück?

Natür­lich! Sie kön­nen da im Grunde gar nichts falsch machen: Mor­gens das Met­tbrötchen? Mit Hol­landaise vol­len­det! Die Müs­li-Schüs­sel? Ein Löf­fel Hol­landaise macht den Hafer erst rund. Eis­bech­er? Warme Hol­landaise drüber – der Kon­trast ist göt­tlich. Piz­za, Pommes, Apfel­strudel, sog­ar der Kaf­fee bekommt manch­mal einen Schuss. In Ibbtown sagt man: „Ohne Hol­landaise isst der Men­sch, mit Hol­landaise lebt er.“

Das klingt etwas extrem. Wie hat das ange­fan­gen?

Ah, die Geschichte! Sie begin­nt 1873. Damals war Ibbtown noch ein unschein­bares Nest mit lauter But­ter­bauern und Eier­hüh­n­ern. Ein junger Koch namens Mix­ther­mus Dibb­mann – mein Urgroß­vater, wohlge­merkt – exper­i­men­tierte in sein­er kleinen Wirtschaft. Er wollte eine Sauce für den Son­ntags­brat­en, mis­chte Eigelb, geschmolzene But­ter und Zitro­nen­saft – und ver­gaß, sie vom Feuer zu nehmen. Die Pampe wurde so dick und sta­bil, dass sie wochen­lang hielt. Die Gäste waren nur langsam zu begeis­tern. Ein­er rief bauch­schmerzenge­plagt: “Das ist eine höl­lis­che Erfind­ung!” Mix­ther­mus ver­stand das nicht ganz und über­nahm dies als seine hol­ländis­che Erfind­ung, obwohl er noch nie in Hol­land gewe­sen war. Der Name blieb hän­gen: Sauce Hol­landaise. Er erfand dann noch eine spezielle Dipp­mas­chine, aber das ist eine andere Geschichte.

Dann kam die Eskala­tion?

Genau. 1921 kam die große But­terkrise. Die Bauern pro­duzierten zu viel. Was tun? Der dama­lige Bürg­er­meis­ter, ein visionär­er Mann namens Pro­tokol­latius Ibbkamp, erließ das „Hol­landaise-Dekret“: Jedes öffentliche Gericht musste min­destens 30 Prozent der Sauce enthal­ten. Die Men­schen protestierten zunächst. Dann aßen sie. Und sie blieben. Die Kinder wuch­sen mit Hol­landaise auf den Fin­gern auf. In den 50ern erfand man die „Hol­landaise-Kanone“ – ein Gerät, das die Sauce in einem feinen Nebel über ganze Tis­che ver­sprühte. Heute haben wir die automa­tis­chen Spender in jedem Restau­rant, sog­ar in den Schulka­n­ti­nen. Die Touris­ten kom­men extra, um sich „ein­we­ichen“ zu lassen.

Und nie­mand hat je gesagt: „Bitte etwas weniger!“

Haha! Weniger? Das wäre Häre­sie! Die Hol­landaise hat Ibbtown gerettet. Sie hat uns Iden­tität gegeben. Andere Städte haben den Dom, wir haben die ewige gelbe Decke. Wir haben die Farbe ja sog­ar ins Stadt­wap­pen aufgenom­men, ursprünglich war dort auch eine Schöpfkelle zu sehen. Die mutierte irgend­wann zu einem Anker, obwohl Ibbtown nun so gar nichts mit einem Anker verbindet. Aber wenn Sie ein­mal richtig ein­tauchen – und ich meine das wörtlich –, dann ver­ste­hen Sie. Hier, pro­bieren Sie!

Ich… danke. Vielle­icht später. Herr Dibb­mann, Sie haben mir die Augen geöffnet. Auch wenn ich sie jet­zt lieber wieder schließen möchte. Vie­len Dank für das Gespräch.

Kom­men Sie wieder! Und brin­gen Sie Hunger mit. Oder bess­er: brin­gen Sie ein­fach einen leeren Magen. Den füllen wir schon.

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