Der Saft des Lebens
In der dampfenden Küche des Restaurants Chez Ibbtown, zwischen kupfernen Töpfen und dem allgegenwärtigen Duft nach Butter und Zitrone, sitzt Gourmet und Sauceologe Pierre Dibbmann – der leidenschaftlichste Verfechter der Sauce Hollandaise, die in seiner Heimatstadt über buchstäblich jedes Gericht fließt. Was als kleiner Betriebsunfall im Jahr 1873 begann, ist heute eine Lebensphilosophie. Unser Reporter...
In der dampfenden Küche des Restaurants Chez Ibbtown, zwischen kupfernen Töpfen und dem allgegenwärtigen Duft nach Butter und Zitrone, sitzt Gourmet und Sauceologe Pierre Dibbmann – der leidenschaftlichste Verfechter der Sauce Hollandaise, die in seiner Heimatstadt über buchstäblich jedes Gericht fließt. Was als kleiner Betriebsunfall im Jahr 1873 begann, ist heute eine Lebensphilosophie. Unser Reporter Harald Tribbüne wollte bei einer StIBBvisite wissen, wie es so weit kommen konnte.
Herr Dibbmann, Sie gelten als der größte Fürsprecher der Sauce Hollandaise in Ibbtown – einer Stadt, die, so sagen Sie, das Epizentrum dieser Sauce sei. Man gießt sie dort angeblich über jedes Gericht. Ehrlich gesagt, schon der Gedanke macht mich etwas… unruhig. Können Sie erklären, wie das gekommen ist?
Ja nun, dies ist eben die höchste Form der kulinarischen Erleuchtung! Ibbtown ist nicht einfach eine Stadt. Ibbtown ist ein Tempel. Und die Hollandaise ist unser heiliges Öl. Sie fließt hier wie der Rhein – nur cremiger, butteriger und mit einem Hauch Zitrone, der die Seele streichelt.
Über jedes Gericht? Auch über Nachspeisen? Frühstück?
Natürlich! Sie können da im Grunde gar nichts falsch machen: Morgens das Mettbrötchen? Mit Hollandaise vollendet! Die Müsli-Schüssel? Ein Löffel Hollandaise macht den Hafer erst rund. Eisbecher? Warme Hollandaise drüber – der Kontrast ist göttlich. Pizza, Pommes, Apfelstrudel, sogar der Kaffee bekommt manchmal einen Schuss. In Ibbtown sagt man: „Ohne Hollandaise isst der Mensch, mit Hollandaise lebt er.“
Das klingt etwas extrem. Wie hat das angefangen?
Ah, die Geschichte! Sie beginnt 1873. Damals war Ibbtown noch ein unscheinbares Nest mit lauter Butterbauern und Eierhühnern. Ein junger Koch namens Mixthermus Dibbmann – mein Urgroßvater, wohlgemerkt – experimentierte in seiner kleinen Wirtschaft. Er wollte eine Sauce für den Sonntagsbraten, mischte Eigelb, geschmolzene Butter und Zitronensaft – und vergaß, sie vom Feuer zu nehmen. Die Pampe wurde so dick und stabil, dass sie wochenlang hielt. Die Gäste waren nur langsam zu begeistern. Einer rief bauchschmerzengeplagt: “Das ist eine höllische Erfindung!” Mixthermus verstand das nicht ganz und übernahm dies als seine holländische Erfindung, obwohl er noch nie in Holland gewesen war. Der Name blieb hängen: Sauce Hollandaise. Er erfand dann noch eine spezielle Dippmaschine, aber das ist eine andere Geschichte.
Dann kam die Eskalation?
Genau. 1921 kam die große Butterkrise. Die Bauern produzierten zu viel. Was tun? Der damalige Bürgermeister, ein visionärer Mann namens Protokollatius Ibbkamp, erließ das „Hollandaise-Dekret“: Jedes öffentliche Gericht musste mindestens 30 Prozent der Sauce enthalten. Die Menschen protestierten zunächst. Dann aßen sie. Und sie blieben. Die Kinder wuchsen mit Hollandaise auf den Fingern auf. In den 50ern erfand man die „Hollandaise-Kanone“ – ein Gerät, das die Sauce in einem feinen Nebel über ganze Tische versprühte. Heute haben wir die automatischen Spender in jedem Restaurant, sogar in den Schulkantinen. Die Touristen kommen extra, um sich „einweichen“ zu lassen.
Und niemand hat je gesagt: „Bitte etwas weniger!“
Haha! Weniger? Das wäre Häresie! Die Hollandaise hat Ibbtown gerettet. Sie hat uns Identität gegeben. Andere Städte haben den Dom, wir haben die ewige gelbe Decke. Wir haben die Farbe ja sogar ins Stadtwappen aufgenommen, ursprünglich war dort auch eine Schöpfkelle zu sehen. Die mutierte irgendwann zu einem Anker, obwohl Ibbtown nun so gar nichts mit einem Anker verbindet. Aber wenn Sie einmal richtig eintauchen – und ich meine das wörtlich –, dann verstehen Sie. Hier, probieren Sie!
Ich… danke. Vielleicht später. Herr Dibbmann, Sie haben mir die Augen geöffnet. Auch wenn ich sie jetzt lieber wieder schließen möchte. Vielen Dank für das Gespräch.
Kommen Sie wieder! Und bringen Sie Hunger mit. Oder besser: bringen Sie einfach einen leeren Magen. Den füllen wir schon.
Did you enjoy this article?
Recommend it — Standard Reader surfaces well-loved writing to more readers across the network.