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wunder

wunder(n)

kein lamento, nur eine erinnerung daran, wie aufregend es sein kann, sich gelegetlich über vermeintliche selbstverständlichkeiten zu wundern.

ix
Jun 10, 2026 · 3 min read · 1 read

ch mag keine lamentos und deshalb werde ich mich auch nicht, zum beispiel, ,[object Object], anschliessen. aber mir ist aufgefallen, dass wir uns sehr wenig wundern.

zunächst kann man sich ja schon allein über die schönheit des wortes „wundern“ freuen. wenn man ein wunder erlebt oder empfindet, wundert man sich. dann ist es wahrscheinlich auch so, dass der mangel am wundern bestimmt auch nichts neues ist. uns erscheint ja nach einer gewissen zeit der gewöhnung alles um uns herum als normal. anders kann man wahrscheinlich auch nicht bei sinnen beliben und deshalb nennt man diese gewöhnung ja auch sozialisation. ohne sozialisation, also gewöhnung an den alltag, an die umwelt, wären wir wahrscheinlich permanent überfordert.

aber genau genommen, mangelt es nicht an dingen über die es sich zu wundern lohnt. mir fiel das heute früh beim morgenspaziergang auf, als ich (unter anderem) auch mal kurz an meine letzte darmspiegelung denken musste. der wohnte ich bei vollem bewusstsein bei und verfolgte sie verwundert auf dem fernseher. heute früh dachte ich, dass wir ja mittlerweile erstaunlich viel davon verstehen wie menschliche körper funktionieren, aber gleichzeitig auch nicht.

was für ein wunder, dass sich aus zellen, einer eizelle und einem spermium, kohlenhydraten, wasser, luft und viel liebe so ein komplexes geflecht aus zellen bildet, dass mit ein bisschen wartung achtzig, neunzig jahre lang funktionsfähig bleibt? wir haben das über tausende jahre beobachtet und angefangen zu verstehen, aber verwunderlich ist das weiterhin.

irgendwo habe ich aufgeschnappt, dass wissenschaft eine viel bessere methode ist als religion um an wunder zu glauben. jede wissenschaftliche frage die wir klären, wirft immer neue fragen und wunderlichkeiten auf. es ist soviel spannender sich in gedanken über schwarze löcher und das ende der zeit in der singularität zu verlieren, als sich gedanken über die jungfräulichkeit von maria oder die vermeintliche auferstehung eines leichnams vor 2020 jahren zu wundern.

als wir frida vor 6 jahren bei der züchterin abgeholt haben, hat sie sich auch über alles gewundert, aber ständiger körperkontakt, eine unersättliche jugendliche neugier und viel schlaf haben ihr geholfen diese druckbetankung mit eindrücken zu verarbeiten. so dürfte das bei uns alle in den ersten lebensjahren auch gewesen sein, aber es ist gut, wenn man da nochmal dran erinnert wird.

ich vergesse das wundern auch immer wieder. was mich gelegentlich triggert und in einen zustand des staunens versetzt, sind technische details die ich entdecke und mich unnötig stark beschäftigen. wie jetzt zum beispiel in den letzten tagen, dass ich mit ein bisschen json einfach ganze artikel, inklusive bilder und metadaten in die welt blasen kann, die auch lesbar bleiben, wenn ich mein blog kaputt-optimiere oder irgendwann nicht mehr bezahlen kann.

aber wie gesagt, das soll kein lamento sein, sondern nur eine erinnerung daran, wie aufregend es sein kann, sich gelegetlich über vermeintliche selbstverständlichkeiten zu wundern.

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